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Dennis DeBiase, die treibende Kraft hinter Solwein, hat sich freund­li­cher­weise dazu bereit erklärt, uns für ein Gespräch über indivi­duelle Sonnen­ver­ehrung, deutsche Dicht­kunst, Wander­schaft und natürlich über sein erstes Album zur Verfügung zu stehen.

Als Hermann Hesse das Gedicht “An die Melan­cholie” verfasste, empfahl er in der letzten Strophe Musik, Gesel­ligkeit und Wein als Medizin gegen das bittersüße Gefühl der Melan­cholie.

Das Ein-Mann Projekt “Solwein” schlägt auf seinem Debüt­album “Omnia Vincit Amor” den genau gegen­sätz­lichen Weg ein. Dennis DeBiase, die treibende Kraft hinter Solwein, versteht es auf seiner ersten Veröf­fent­li­chung, Wein und Musik in einen wunderbar melan­cho­li­schen Gesamt­kontext zu setzen, wobei er das lyrische Reper­toire des klassi­schen Neofolks mit spannenden Themen anrei­chert.
Sophie Nees zeichnet sich für das Coverartwork verantwortlich.
Sophie Nees zeichnet sich für das Cover­artwork verant­wortlich.

Hallo Dennis! Wir freuen uns sehr darüber, dass du unser noch junges und im Entstehen begrif­fenes Magazin mit einem Interview berei­cherst!

Grüß dich Johannes! Die Freude ist ganz meiner­seits. Vielen Dank, dass ich mein erstes Interview mit Solwein für den Eiben­reiter geben darf. Du und deine Mitstreiter stellen da etwas wirklich Schönes auf die Beine und ich bin froh einen kleinen Teil dazu beitragen zu können. Auf ein gutes Gespräch!

Vielleicht möchtest du uns zum Einstieg in das Gespräch verraten, wie die sehr symbol­hafte Ausge­staltung der Cover­zei­chung von Sophie Nees mit Weinreben und Sonne in schwerem Rot mit dem Ausspruch “omnia vincit amor” zusam­menn­hängt. Welche Bedeutung hat dieser Sinnspruch für dich als Künstler und im Spezi­ellen, für das Album?

Auf diese Frage möchte ich gleich mit einem schönen Zitat antworten: “Was ist des Lebens höchste Lust? Die Liebe und der Wein.”. Dieses von Joachim Perinet stammende Zitat spiegelt sehr schön die Inspi­ration wider, welche mein Projekt Solwein hat entstehen lassen. Die Liebe, die Lebens­freude aber auch die Melan­cholie und die schöp­fe­rische Einsamkeit, letzteres symbo­li­siert durch die Sonne inspi­riert mich besonders. Mir war daher für die Cover­ge­staltung sehr wichtig, dass die Kernaus­sauge des Projektes Solwein zeich­ne­risch aufge­griffen und umgesetzt wird. Die Weinreben fungieren hier als Reminiszenz auf die diony­sische Lebens­freude, welche ich mit meiner Heimat, der Pfalz, verbinde. In meiner Heimat, zwischen Wäldern und Weinreben kann ich den Wechsel der Jahres­zeiten besonders gut miter­leben, wobei mich auch hier der Herbst mit am meisten berei­chert. Vielleicht habe ich deshalb auch eine schwere rote, ja fast ins dunkel-violett überge­hende Farbgebung für das Cover gewählt (oder vielleicht erinnert die Farbe mich auch einfach an den exzel­lenten Spätbur­gunder, der ganz in meiner Nähe wächst, haha).

Bei der Namens­findung des Albums bin ich auf den von Vergil stammenden Sinnspruch “Omnia Vincit Amor et nos cedamus amori” gestoßen, der sich nahtlos in das Gesamt­konzept einfügt. Im ausge­henden 13.Jhdt. nutzen nutzten zum Beispiel Ritter und Minne­sänger diese Losung in der gekürzten Version “Omnia Vincit Amor” als Wahlspruch. Ein Stück weit sehe ich mein erstes Album im roman­ti­schen Kontext auch von diesen Tradi­tionen beflügelt und zuletzt empfinde ich die Losung “Die Liebe besiegt alles” einfach als sehr erhebend und positiv, weshalb ich mich letzt­endlich entschied, das Album so zu benennen.

Das klingt alles sehr stimmig und durch­dacht, gleich­zeitig aber auch so, als wäre viel Gefühl und Herzblut in Solwein geflossen.

Ich hatte ja das Glück, bereits vorab einige Tracks deines Albums hören zu dürfen und konnte mich unter anderem besonders für die tragische Geschichte Baldurs begeistern, die du vertont hast.

Bist du der Meinung, dass die heutige Gesell­schaft zu wenig Demut vor der gewal­tigen Schöp­fer­kraft der Sonne zeigt? Auch der Wechsel der Jahres­zeiten ist ja direkt an solare Ereig­nisse gebunden. Welche Rolle spielt die Aktivität der Sonne außerhalb Solweins in deinen Überzeu­gungen?

Meiner Meinung nach zeigt die Menschheit im Allge­meinen zu wenig Demut — Nicht in Bezug auf die Schöp­fer­kraft der Sonne, sondern (um in diesem Wortzu­sam­menhang zu bleiben) bezogen auf die Schöpfung an sich.
Respekt vor Mitmensch, Tierwelt und Natur muss selbst­ver­ständlich sein, aber leider vergessen wir das in unserem fausti­schen Streben nach Fortschritt, Profit und Vorteil nur allzu oft. Wenn ich daher die Sonne als Symbol, oder eher Metapher für
alles Schöp­fe­rische, Schöne und Gute in diesem Kontext benutzen darf, dann kann ich deine Frage, ob die heutige Gesell­schaft zu wenig Demut zeigt, mit einem Ja beant­worten. In eben diesem metapho­ri­schen Zusam­menhang steht demzu­folge auch die Sonnen­sym­bolik, die besonders in der jetzigen Anfangs­phase von Solwein hervor­sticht. Außerhalb dieses künst­le­ri­schen Leitmo­tives spielen für mich die Sonnen­wenden noch eine Rolle: Sonnen­wenden feiere ich schon lange gemeinsam mit einem besten Freund — wir nutzen das besondere Datum der Sonnen­wende um den letzten Jahres­ab­schnitt Revue passieren zu lassen, mit Ereig­nissen abzuschließen und Pläne für das Kommende zu sammeln. Diese feiern wir immer an bestimmten Orten in der Natur des Pfälzer Waldes, aller­dings nicht um einen vorzeit­lichen helio­zen­tri­schen oder gar neuheid­nisch-esote­ri­schen Kult aufer­stehen zu lassen, sondern vielmehr aufgrund der vorher genannten, doch eher boden­stän­digen Gründe.

(c) Dennis DeBiase
© Dennis DeBiase

Es ist tatsächlich erfri­schend zu hören, dass diese Himmels­er­eig­nisse für dich ausschließlich den Charakter einer indivi­du­ellen Innen­schau zu besitzen scheinen. Gerade im subkul­tu­rellen Bereich werden die Sonnen­wenden oft als zünftig okkultes Gemein­schaftsevent “vermarket”.

Wo ziehst du in deinem künst­le­ri­schen Schaffen die Trenn­linie zwischen zeitge­mäßem Vorwärts­streben und einer gewissen Sehnsucht nach einer roman­ti­schen Vergan­genheit?

Es finden sich ja unter anderem Titel wie “Der Wander­vogel” auf Omnia Vincit Amor. Ist ein solcher Song nur als Hommage an eine unter­ge­gangene Jugend­kultur zu verstehen, oder ist da auch eine persön­liche Nähe zu den Idealen und Werten des Wander­vogels verborgen?

Ich sehe die roman­tische Ausein­an­der­setzung mit der Vergan­genheit, bezogen auf Geschichte, Lyrik und Prosa als bezeich­nendes Charak­te­ris­tikum von Solwein an. Dieses Motiv zieht sich als roter Faden durch “Omnia Vincit Amor”, das möchte ich definitiv nicht abstreiten. Aller­dings geschieht diese Aufar­beitung immer im Kontext der
(Rück-)Besinnung, um nicht in roman­ti­scher Verklärtheit aufzu­laufen. Damit schaffe ich mir de facto einen Gegenpol zum Wahnsinn und Druck der Zeitge­mäßheit, der mir täglich, unter anderem auch durch meinen Beruf in der Medien­branche, entge­gen­schlägt. Demzu­folge kann man einen gewissen verträumten Eskapismus nicht ganz verleugnen. Gleich­zeitig möchte ich aber betonen, dass sich ein Vorwärts­streben und ein roman­ti­sches Fühlen, sowie Denken in keinster Weise gegen­seitig ausschließen. Im Gegenteil: Ich sehe das Ganze eher als sich ergän­zenden Synkre­tismus an. Demzu­folge kann ich auch das Stück “Der Wander­vogel” darin einschließen. Eine unter­ge­gangene Jugend­kultur möchte ich mit diesem Lied weniger besingen, vielmehr will ich damit zum Ausdruck bringen, was das Wandern für mich bedeutet: Freiheit. Auch wenn ich am liebsten alleine wandere, da mir dort die besten Ideen, Gedanken und Einfälle kommen, kann ich eine persön­liche Nähe zu einigen Idealen und Werten der Wander­vogel Bewegung bestä­tigen — Nicht zuletzt, weil sich die Wander­vögel auch auf gewisse Ideale der Romantik beriefen. In “Der Wander­vogel” habe ich mich übrigens auch von einem zur Zeit der Wander­vogel-Bewegung wieder populär gewor­denen Schrift­steller beein­flußen lassen: Einige Zeilen aus einem Gedicht aus “Waldmeisters Braut­fahrt” von Otto Roquette habe ich in den Liedtext einfließen lassen.

Ihr Wander­vögel in der Luft,
im Äther­glanz, im Sonnenduft
in blauen Himmels­wellen,
euch grüß’ ich als Gesellen!
Ein Wander­vogel bin ich auch
mich trägt ein frischer Lebens­hauch (…)”

Lass uns kurz noch das Thema Wander­schaft und Natur vertiefen. Je mehr ich über dich als Künstler und über Solwein im Spezi­ellen, aus dem Gespräch erfahre, desto mehr kommt es mir so vor, als sei C.D. Fried­richs Klassiker der Romantik “Wanderer über dem Nebelmeer” zum Leben erwacht. Sonnen­be­schienen und in Einsamkeit, mit beiden Beinen fest auf dem schroffen Felsen stehend, den Blick in die Zukunft gerichtet, während der gnädige Nebel die unvoll­kommene, hektische Moderne für wenigstens einen Moment zudeckt. Kannst du aus deinen eigenen Natur­er­fah­rungen auf Wander­schaft heraus nachemp­finden, wie sich die zentrale Figur des Gemäldes fühlen muss? Was war für dich persönlich deine eindrucks­vollste Begegnung mit der Natur und in welchen deiner Songs auf Omnia Vincit Amor kommen diese Motive am stärksten zur Geltung?

Erst möchte ich sagen, dass du den Geist, den Caspar David Fried­richs Gemälde verkörpert sehr schön in Worte gefasst hast. Tatsächlich ist dieses Gemälde wirklich eines der Kunst­werke, die mich in seiner Art und Aussage schon früh inspi­riert hat. Ich denke, jeder, der von Zeit zu Zeit den Drang verspürt einfach und ohne bestimmtes Ziel loszu­wandern, kann dieses Gefühl der Eremi­ten­haften Erhabenheit, ja vielleicht sogar Überle­genheit nachvoll­ziehen, sobald er klare Waldluft atmet, auf ein stilles Tal herun­ter­blickt und Vogelsang in den Ohren hat. Ich denke du bist mir da einer Meinung, wenn ich sage: Das bedeutet geistige Freiheit und Klarheit. So muss sich der Wandersmann auf CD Fried­richs Gemälde auch fühlen. Ich sehe ihn daher als Grundidee des Wander­vogels.

Wanderer über dem Nebelmeer
Wanderer über dem Nebelmeer

Diese Einstellung kann man eigentlich auch zum Gesamt­konzept Solweins als passend erachten. Am stärksten kommt das in den Liedern zur Geltung, die mit der Natur­sym­bolik und Metaphern spielen. Hier sei zum Beispiel die Mandel­blüte zu erwähnen – diese ursprünglich als Gedicht, ganz im Geiste Eichen­dorffs verfasste Lobes­hymne auf den Frühling symbo­li­siert einen Lebens­ab­schnitt, den ich zum Zeitpunkt des Verfassens des Gedichtes begonnen habe. Diesen verstehe ich als Tauwetter gegenüber einer vorher eher kalten und bedrü­ckenden Episode meines Lebens. Die Quint­essenz des Liedge­dichtes ist daher: “Frühling bringt Freiheit”.

Abseits der metapho­risch-autobio­gra­fi­schen Verar­beitung von Natur- und Jahres­zeit­ele­menten sei auch das Instru­men­tal­stück “Tempestas” im Hinblick auf eindrucks­volle Begeg­nungen mit der Natur genannt. Dieses Stück habe ich in den Grund­tönen tatsächlich während einem sehr eindrucks­vollen Sommer­ge­witter erdacht – die sich später daraus entwi­ckelnde Polyphonie und Verar­beitung von Feldauf­nahmen bezog sich auch immer in Rückbe­sinnung auf dieses für mich sehr bedeutsame Ereignis. Vielleicht ist mir dieses Gewitter auch nur wegen der plötz­lichen daraus folgenden Eingabe besonders im Gedächtnis geblieben, aber auch wenn dem so sei, war es sicher eine imposante Begegnung mit den unbän­digen Mächten der Natur.

(c) Dennis DeBiase
© Dennis DeBiase

Frühling bringt Freiheit”. Dieser Aussage stimme ich in jedem Fall voll und ganz zu. Auch wenn du anführst, dass Waldluft und pure Natur der geistigen Klarheit förderlich sind, bin ich ganz bei dir. Die Natur wirkt ja schon seit Urzeiten als die grund­le­gende Inspi­ration des Kunst­schaf­fenden, sei es mit dem Pinsel oder mit der Feder. Und gerade die Dichter und Denker nehmen in deinem musika­li­schen Schaffen ja beson­deren Raum ein. Welchen Schrift­stellern neben Eichen­dorff verdankt Solwein noch seine lyrische Vielfalt? Was ist zuerst da – Schreibst du einen Song um eine besondere Kernaussage herum oder ist da zuerst die Melodie?

Ein Schrift­steller, von dem auch das Zitat am Anfang unserer Unter­haltung stammt und welcher auch erheb­lichen Einfluß auf meine eigene Lyrik ausübt, ist Hermann Hesse. Von ihm habe ich das Gedicht “Gestutzte Eiche” vertont. Die lyrischen Kernaus­sagen von Hesse empfinde ich als sehr erhebend, weshalb eine Vertonung naheliegend war, da die Dualität von Hoffnung trotz Schwermut ganz im Geiste Solweins liegt. Diese Vertonung entstand übrigens in Koope­ration mit dem Schau­spieler Fritz Staven­hagen, dem Initiator des Projektes “Gespro­chene Deutsche Lyrik”. Als weitere Gedicht­ver­tonung kann ich auch Nietz­sches “Nach einem nächt­lichen Gewitter” anführen. Besonders die frühe Lyrik dieses, oft falsch verstan­denen und später leider verklärten, Philo­sophen hat mich auch maßgeblich beein­flusst. Außerhalb meines musika­li­schen Schaffens sind Werke von Novalis, Goethe, Schlegel, Fichte, Thomas Mann, E.T.A. Hoffmann, Stefan George, Brecht, Böhme und weitere wichtig für mich. Als einen Autor, der hier etwas aus der Reihe fällt wäre noch Tolkien als Roman­tiker der Moderne zu nennen – Ich liebe die, von ihm geschaffene Mystik und Folklore, weshalb ich ihn auch als Inspi­ra­ti­ons­quelle nennen kann. Um zurück zum musika­li­schen Teil von Solwein zu kommen und um deine Frage zu beant­worten, wie die Songs entstehen: Meistens habe ich zuallererst eine zentrale Kernaussage, ein Statement oder eine “Eingebung”, die ich in Worte fassen will. In der Regel geschieht dann das zu Paper bringen des Gedichtes mit der Gitarre in der Hand, so wird schon die “Basis­me­lodie” bestehend aus den Grund­ak­korden konstruiert. Die polyphonen Gitar­ren­me­lodien werden tatsächlich zum Großteil erst bei den finalen Aufnahmen im Studio geschaffen. Das macht die ganze Aufnahme sehr dynamisch und spontan weshalb es auch recht schwierig sein dürfte die Werke in ihrer gesamten musika­li­schen Komple­xität live darzu­bieten. Abschließend möchte ich noch etwas zu den bereits angespro­chenen “Einge­bungen”, die am Anfang des Schaffens stehen, sagen: da ich seit einigen Jahren nun schon das luzide Träumen prakti­zierte kommt mir von Zeit zu Zeit in einem Klartraum die Inspi­ration für Lieder. In diesen Klarträumen höre ich den Song fertig produ­ziert: Die Lyrik, die Instru­men­tierung, der Gesang und die Songstruktur sind darin bereits fertig vorhanden. Für diese Inspi­ra­ti­ons­quelle bin ich sehr dankbar – schwierig wird es dann oft nur, wenn es daran geht den Song nach dem Aufwachen festzu­halten, da man recht schnell wieder vergisst.

(c) Dennis DeBiase
© Dennis DeBiase

Hast du Kontakte in die Theater-/Film­branche oder wie bist du zu der Koope­ration mit Fritz Staven­hagen gekommen? Ich habe mich ein wenig in seine Vita einge­lesen und stelle fest, dass Herr Staven­hagen ein Mann mit Idealen zu sein scheint. Gerade sein politi­sches Engagement für die Agrar­wende und für ein Ende der Massen­tier­haltung imponieren mir sehr.
Thema­tisch passend zum nahen Ende unserer Unter­haltung, die mit dem Frühling begann, kommen wir jetzt sozusagen der Winter­son­nen­wende näher. Du sprachst von luziden Träumen als Quelle der Inspi­ration. Kann ich davon ausgehen, dass die Eingebung zu deinem Song über die Winter­runen auch einen tieferen, einge­raunten Ursprung hat?

Ich habe keine Kontakte in die Theater­branche, auf Herrn Staven­hagen bin ich tatsächlich durch sein Lyrik-Projekt aufmerksam geworden. Da man einem Brief doch noch mehr Wertschätzung entge­gen­bringt, begann meine Korre­spondenz mit Herrn Staven­hagen ganz klassisch auf dem posta­li­schen Wege. Herr Staven­hagen war von meiner Idee sein Projekt der gespro­chenen Lyrik mit einer musika­li­schen Verar­beitung zu verbinden nicht abgeneigt. So ist also der Song “Gestutze Eiche” entstanden. Sein politi­sches Engagement habe ich erst im Nachhinein in Erfahrung gebracht, aber Herr Staven­hagens Einsatz steht ganz im Geiste Solweins. Ich selbst unter­stütze zwar keine politische Partei, habe aber feste Werte und Tugenden für mich definiert, die ich beispiels­weise mit der Unter­stützung der “Schutz­ge­mein­schaft Deutscher Wald”, sowie diversen Friedens­kam­pagnen in die Öffent­lichkeit trage. Mein Projekt Solwein soll auch hier ein Instrument sein meine Ansichten in positiv-produk­tiver Weise zu verar­beiten.

Um zu deiner Frage bzgl. der Winter­runen zu kommen. Das Motiv der Runen habe ich hier metapho­risch verar­beitet. Ich bin ein großer Freund der Symbolik vielerlei Kulturen: für das von dir angespro­chene Lied habe ich mich der esote­ri­schen Runen­sym­bolik bedient – und hier vor allem an eher negativ konno­tierten Runen bzw. Runen, die eine eher negative Bedeu­tungs­zu­ordnung erfahren haben (zum Beispiel: Thurisaz, Kaunan, Hagalaz etc.) und die ich persönlich dem Winter und der Kälte zuordnen würde. Die Inspi­ration hierfür kam nicht aus einem luziden Traum (wie zum Beispiel bei “Auch Herbst bringt Leben” der Fall) sondern wieder aus der Natur: Die letzt­jährige Rückkehr des Winters im späten Frühjahr, die auch zu großen Einbußen in der Weinernte führte, hat mir den Impuls gegeben diese Thematik weiter auszu­führen.

Die Symbolik der Winterrune scheint mir jetzt eine gute Basis zu sein, um ein kurzes Resümee aus unserem vielschich­tigen Gespräch zu ziehen, auch wenn der Gesprächs­stoff sicherlich noch schier endlos wäre. Ich denke wir haben Solwein als ein Projekt kennen­ge­lernt, in dem Symbolik, deutsche Romantik, das Wissen um Vergan­genes und Natur­kraft eine sehr fruchtbare und tiefe Verbindung eingehen. Ich freue mich jeden­falls sehr auf den Release des fertigen Albums via Lichter­klang. Abschließend würde mich noch inter­es­sieren, welche weiteren Pläne du mit Solwein verfolgst. Du schreibst ja, dass Live-Auftritte eher unwahr­scheinlich sind. Wohin wird sich das Projekt entwi­ckeln?

De nihilo nihil: Zurzeit arbeite ich an einer Single, welche nach dem Release der “Omnia Vincit Amor” veröf­fentlich wird. Diese knüpft stilis­tisch, sowohl im musika­li­schen Bereich, als auch in der lyrischen Thematik an “Omnia Vincit Amor” an. Diesmal werden aller­dings eher düstere Seiten der Romantik verar­beitet – Themen aus der sog. Schwarzen Romantik. Bei einer Vertonung handelt es sich zum Beispiel um das Gedicht “Waldge­spräch” von Eichen­dorff, welches den Loreley Mythos behandelt. Bei dieser Vertonung erhalte ich Unter­stützung von einer Sängerin, sodass ich das Gedicht als musika­li­sches Duett aufar­beite. Des weiteren konnte ich bei diesem Lied Fabian Zirkler von Northern Accent für zusätz­liche Unter­stüzung am Piano gewinnen, sodass sich die ganze musika­lische Aufar­beitung noch breiter gestaltet, als dass nur mit mehrstim­migen Gitarren möglich wäre.
Deswei­teren befindet sich ein Musik­video zu “Der Wander­vogel” in Arbeit. Dieses wurde am Haardtrand, einem Natur­schutz­gebiet in der Pfalz zwischen Reben und Wald gedreht. Dass sich meine Motivation und der Taten­drang mit Solwein aktiv zu sein noch lange nicht ausge­schöpft haben, zeigt sich auch an bereits fertig geschrie­benen Liedern und zahlreichen weiteren Ideen für ein zweites Album. An die Produktion des zweiten Album werde ich aller­dings erst im Herbst (nach dem berühmten Sommerloch) gehen – Man darf sich also noch auf weiteres Material freuen, denn mein Durst nach gutem Neofolk ist noch lange nicht gestillt. Nichts­des­to­trotz bin ich mit dem Release von “Omnia Vincit Amor” ersteinmal gespannt, wie Solwein in der deutschen und inter­na­tio­nalen Neofolk-Hörer­schaft ankommen wird.

Schön zu hören, dass wir auch nach dem offizi­ellen Release mit dir rechnen können! Ich habe dich in den letzten Wochen, in denen wir das Interview geführt haben, als Künstler kennen­lernen dürfen, dessen Persön­lichkeit und Geistes­haltung untrennbar mit seinem Projekt verschmolzen zu sein scheint. Ehrlicher und authen­ti­scher kann Neofolk wohl nicht gelebt werden! Wir vom Eiben­reiter wünschen dir für die kommende Zeit auf jeden Fall das Maß an positiver Aufmerk­samkeit aus der Szene, das einem Projekt mit soviel Herzblut gebührt und werden dich auch weiterhin unter­stützen. Vielen Dank für das schöne Gespräch, ich hoffe dir gönnst dir bei all der Arbeit an Solwein auch die ein oder andere Mußestunde. Hast du in diesem Zusam­menhang eventuell noch die ein oder andere Weinemp­fehlung aus deiner Region für uns?

Bzgl. Mußestunde kann ich folgendes sagen: Mir fällt es schwer abzuschalten – Daher ist es für mich umso wichtiger auch mal alles stehen und liegen zu lassen: Das klappt am besten bei einem Glas (oder auch einer Flasche) lokalem Weißwein. Empfehlen kann ich dir hier einen 2016er Weißbur­gunder aus dem Weingut Adriane Moll aus Sankt Martin. In gesel­liger Runde empfehle ich dir aller­dings die obliga­to­rische Riesling­schorle – 3/4 Riesling 1/4 Mineral­wasser – am Besten den trocken Riesling der Weinbiet Manufaktur aus der Lage Mußbacher Eselshaut. Passend zu einem Kurzge­dicht Goethes:

Wasser allein macht stumm,
das zeigen im Bach die Fische.
Wein allein macht dumm,
siehe die Herrn am Tische.
Da ich keins von beiden will sein,
trink ich Wasser mit Wein.

Ich danke dir vielfach für die Möglichkeit mich im Eiben­reiter geäußert haben zu dürfen – Für euch wünsche ich auch die Aufmerk­samkeit, die einem so engagierten und vielseitig inter­es­siertem Team gebührt. In diesem Sinne: Zum Wohl und auf ein Wieder­sehen, gerne auch bei mir in der Pfalz bei einem guten Glas!

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