: KVELGEYST — ALKAHEST :

Die güldene Alchemie bekommt einen bleischwarzen Anstrich: Kvelgeyst aus der Schweiz präsen­tieren uns mit „Alkahest“ ihr Debüt. Mit Höllen­feuer, Basilisken und schwarzen Säften im Schlepptau schlagen sie in heimi­schen Stereo­an­lagen ein. Ob ihnen die klang­liche Trans­mu­tation gelingt, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Der Einstieg fällt recht militä­risch-diszi­pli­niert aus. Drum-Rolls leiten unheil­ver­heißend den Opener „Basilisk – Im Angesicht des Schat­ten­wichts“ ein, bevor der Song in ein rhyth­mi­sches D‑Beat Massaker übergeht. Eine Double-Bass Passage schaltet ein und ein disso­nanter Höllenchor verzerrter Stimmen verkündet die frohe Botschaft: Es fetzt! Ein destruk­ti­veres Metal Punk Machwerk als dieses hätte man nicht als den Anheizer dieser Platte wählen können. Nach dem Chaos wird’s leicht episch: Pauken­schläge, erinnernd an Master´s Hammer, und eine Melodie, die an eine Mixtur der besten Parts von Filosofem und diversen Emperor Werken erinnert, pausieren den wilden Ritt kurz, bevor der „Schat­ten­wicht“ mit einset­zenden Blast-Beats zu Grabe getragen wird. 

(c) Kvelgeyst
© Kvelgeyst

Abwechs­lungs­reiches Drumming ist der Schlüssel zur flüssigen Songstruktur von „Miasma – Vor flirrenden Götzen in stickigen Grotten“. Das Schlagwerk wechselt schneidig von Mid- auf Hochtempo und schaltet durch Fills meisterlich durch die Gänge. Hier fällt auch erstmals das Keyboard auf, welches durchaus prominent, aber unauf­dringlich nebenher schwebt. Die Gesangs­parts sind wunderbar schaurig getaktet, wechseln zwischen tiefem Gebrumme bis hin zu teufli­schem Gekeife aus dem Höllen­grund. Abgerundet wird das ganze durch einen „Ambient“-Part (ich nenn das einfach mal so). Gezupfte Gitar­ren­ak­korde mit hohem Reverb und Gewisper. Passt! Anschließend geht es sogar noch ans Cineas­tische: Wir bekommen ein passendes Zitat aus „Paracelsus“, einem G.W. Pabst Film, in dem der gleich­namige schwei­ze­rische Alchemist im Monolog hoffnungslos faulige Aussichten bereithält. 

Durch ein langsames Fade-In geht es über in die Hölle: „In der Hölle tieft der Gran“ wird mit finsterem Knurren und einem schal­lenden Glocken­spiel eröffnet. Das Stück ist von Doom durch­drungen, verbreitet im schlep­penden Takt Verdammnis. Stimmen jenseits der Oberfläche tönen und eine Note Hooded Menace lässt sich zwischen den Zeilen entziffern, bevor die Stimmung umschlägt und BM-Klänge angestimmt werden. Das Tempo bekommt durch ein gut einge­bun­denes Ride Becken eine rhyth­mische Portion Kälte, wodurch im Leibe der schwarze Saft zur Siede­tem­pe­ratur getrieben wird. 

Der „Demiurg“ schlägt zu Beginn neue Töne an. Hier bekommt man ein klassi­sches Heavy Metal Riff aus den Boxen geblasen, welches mit fortschrei­tender Dauer in eine Hi-Hat-getriebene Schwarz­kunst­ver­ehrung übergeht. Ein atmosphä­ri­sches Zwischen­spiel offenbart eine unangenehm-klirrende Geistes­land­schaft. Die Ruhe vor dem Sturm hält nicht lang an, ein Second-Wave Part eröffnet den Höllenritt mit tosendem Gebrause und beendet den Titel mit Vollgas. 

Solve! Das titel­ge­bende „Alkahest“ fungiert als univer­sales Lösungs­mittel, und wird dem Mythos nach aus dem Stein der Weisen gewonnen. Als Paracelsus diesen Stoff benannte, oder seine Kollegen eifrig nach selbem jagten, konnten sie sich bei Leibe nicht vorstellen, jenen ein halbes Jahrtausend später in Form tonaler Zauber­kunst vorzu­finden. Es peitscht in guter Hochtempo-Manier auf den Hörer ein, Abkühlung gibt es nur durch die Drumfills und einen Break im hinteren Part des Songs. Struk­turell aufge­räumt, prescht der Titel­track mit einfalls­reichem Riffing und einer wunderbar dahin­flie­ßenden Bass-Spur dahin. Tendenz ist im Gegensatz zum Rest des Albums Richtung Ungfell, Meister Tekel steuert hier (soweit meine musika­lische Aufnahme- und Recher­che­fä­higkeit mich nicht trüben) Bass und Gesang bei. Der Geist des helve­ti­schen Wahnsinns hält hier Einzug, eine Erkenntnis, die nicht viel später durch ein orches­trales Keyboard-Lead unter­mauert wird.

Last but not least: „Sefiroth – Schalenleib des Welten-Alls“. Akusti­scher Einstieg, flüsternde Stimmen. Der Rausschmeißer stampft los. Wir bekommen eine jazzige Mid-Tempo Mitter­nachts­messe geboten. Mit diesem gutartig-schizo­phrenen Absacker verlässt uns das alchi­mis­tische Machwerk kurzweilig, inklusive epischen Timpani Gepauke und sphäri­schen Sound­track-Synth­klängen direkt aus den späten 90ern. 

Der Kessel ist aus, das Feuer erloschen. Doch ist das Experiment geglückt?

Ich finde: Sehr wohl! Kvelgeyst, entlassen aus den Kerkern des „Helvetic Under­ground Committees“, ist eigen­ständig und braut aus alten Formeln eine erfri­schend neue Synthese. Die Ausgangs­stoffe sind aus allen möglichen Ecken und Winkeln der Alten Welt zusam­men­ge­tragen, ergeben aber gerade in dieser Hinsicht ein stimmiges Gesamt­gefüge. Definitiv reinhören!

Erhältlich ist „Alkahest“ in digitaler Form auf https://kvelgeyst.bandcamp.com/releases , in den Formaten CD und Vinyl unter https://vendettarecords.bigcartel.com/ .

:LS: