Solwein im Interview

Solwein im Interview

Als Her­mann Hes­se das Gedicht An die Melan­cho­lie” ver­fass­te, emp­fahl er in der letz­ten Stro­phe Musik, Gesel­lig­keit und Wein als Medi­zin gegen das bit­ter­sü­ße Gefühl der Melan­cho­lie. Das Ein-Mann Pro­jekt Sol­wein” schlägt auf sei­nem Debüt­al­bum Omnia Vin­cit Amor” den genau gegen­sätz­li­chen Weg ein. Den­nis DeBia­se, die trei­ben­de Kraft hin­ter Sol­wein, ver­steht es auf sei­ner ers­ten Ver­öf­fent­li­chung, Wein und Musik in einen wun­der­bar melan­cho­li­schen Gesamt­kon­text zu set­zen, wobei er das lyri­sche Reper­toire des klas­si­schen Neo­folks mit span­nen­den The­men anrei­chert.

Omnia Vincit Amor - "Liebe besiegt alles" Der Wahlspruch vieler Ritter und Minnesänger des Mittelalters.
Omnia Vin­cit Amor – »Lie­be besiegt alles»
Der Wahl­spruch vie­ler Rit­ter und Min­ne­sän­ger des Mit­tel­al­ters.
Hal­lo Den­nis! Wir freu­en uns sehr dar­über, dass du unser noch jun­ges und im Ent­ste­hen begrif­fe­nes Maga­zin mit einem Inter­view berei­cherst!
Grüß dich Johan­nes! Die Freu­de ist ganz mei­ner­seits. Vie­len Dank, dass ich mein ers­tes Inter­view mit Sol­wein für den Eiben­rei­ter geben darf. Du und dei­ne Mit­strei­ter stel­len da etwas wirk­lich Schö­nes auf die Bei­ne und ich bin froh einen klei­nen Teil dazu bei­tra­gen zu kön­nen. Auf ein gutes Gespräch!
Viel­leicht möch­test du uns zum Ein­stieg in das Gespräch ver­ra­ten, wie die sehr sym­bol­haf­te Aus­ge­stal­tung der Cover­zei­chung von Sophie Nees mit Wein­re­ben und Son­ne in schwe­rem Rot mit dem Aus­spruch omnia vin­cit amor” zusam­menn­hängt. Wel­che Bedeu­tung hat die­ser Sinn­spruch für dich als Künst­ler und im Spe­zi­el­len, für das Album?
Auf die­se Fra­ge möch­te ich gleich mit einem schö­nen Zitat ant­wor­ten: Was ist des Lebens höchs­te Lust? Die Lie­be und der Wein.”. Die­ses von Joa­chim Peri­net stam­men­de Zitat spie­gelt sehr schön die Inspi­ra­ti­on wider, wel­che mein Pro­jekt Sol­wein hat ent­ste­hen las­sen. Die Lie­be, die Lebens­freu­de aber auch die Melan­cho­lie und die schöp­fe­ri­sche Ein­sam­keit, letz­te­res sym­bo­li­siert durch die Son­ne inspi­riert mich beson­ders. Mir war daher für die Cover­ge­stal­tung sehr wich­tig, dass die Kern­aus­sau­ge des Pro­jek­tes Sol­wein zeich­ne­risch auf­ge­grif­fen und umge­setzt wird. Die Wein­re­ben fun­gie­ren hier als Remi­nis­zenz auf die dio­ny­si­sche Lebens­freu­de, wel­che ich mit mei­ner Hei­mat, der Pfalz, ver­bin­de. In mei­ner Hei­mat, zwi­schen Wäl­dern und Wein­re­ben kann ich den Wech­sel der Jah­res­zei­ten beson­ders gut mit­er­le­ben, wobei mich auch hier der Herbst mit am meis­ten berei­chert. Viel­leicht habe ich des­halb auch eine schwe­re rote, ja fast ins dun­kel-vio­lett über­ge­hen­de Farb­ge­bung für das Cover gewählt (oder viel­leicht erin­nert die Far­be mich auch ein­fach an den exzel­len­ten Spät­bur­gun­der, der ganz in mei­ner Nähe wächst, haha).
Bei der Namens­fin­dung des Albums bin ich auf den von Ver­gil stam­men­den Sinn­spruch Omnia Vin­cit Amor et nos ceda­mus amo­ri” gesto­ßen, der sich naht­los in das Gesamt­kon­zept ein­fügt. Im aus­ge­hen­den 13.Jhdt. nut­zen nutz­ten zum Bei­spiel Rit­ter und Min­ne­sän­ger die­se Losung in der gekürz­ten Ver­si­on Omnia Vin­cit Amor” als Wahl­spruch. Ein Stück weit sehe ich mein ers­tes Album im roman­ti­schen Kon­text auch von die­sen Tra­di­tio­nen beflü­gelt und zuletzt emp­fin­de ich die Losung Die Lie­be besiegt alles” ein­fach als sehr erhe­bend und posi­tiv, wes­halb ich mich letzt­end­lich ent­schied, das Album so zu benen­nen.
Das klingt alles sehr stim­mig und durch­dacht, gleich­zei­tig aber auch so, als wäre viel Gefühl und Herz­blut in Sol­wein geflos­sen. 
Ich hat­te ja das Glück, bereits vor­ab eini­ge Tracks dei­nes Albums hören zu dür­fen und konn­te mich unter ande­rem beson­ders für die tra­gi­sche Geschich­te Bal­durs begeis­tern, die du ver­tont hast. 
Bist du der Mei­nung, dass die heu­ti­ge Gesell­schaft zu wenig Demut vor der gewal­ti­gen Schöp­fer­kraft der Son­ne zeigt? Auch der Wech­sel der Jah­res­zei­ten ist ja direkt an sola­re Ereig­nis­se gebun­den. Wel­che Rol­le spielt die Akti­vi­tät der Son­ne außer­halb Sol­weins in dei­nen Über­zeu­gun­gen?
Mei­ner Mei­nung nach zeigt die Mensch­heit im All­ge­mei­nen zu wenig Demut — Nicht in Bezug auf die Schöp­fer­kraft der Son­ne, son­dern (um in die­sem Wort­zu­sam­men­hang zu blei­ben) bezo­gen auf die Schöp­fung an sich.
Respekt vor Mit­mensch, Tier­welt und Natur muss selbst­ver­ständ­lich sein, aber lei­der ver­ges­sen wir das in unse­rem faus­ti­schen Stre­ben nach Fort­schritt, Pro­fit und Vor­teil nur all­zu oft. Wenn ich daher die Son­ne als Sym­bol, oder eher Meta­pher für
alles Schöp­fe­ri­sche, Schö­ne und Gute in die­sem Kon­text benut­zen darf, dann kann ich dei­ne Fra­ge, ob die heu­ti­ge Gesell­schaft zu wenig Demut zeigt, mit einem Ja beant­wor­ten. In eben die­sem meta­pho­ri­schen Zusam­men­hang steht dem­zu­fol­ge auch die Son­nen­sym­bo­lik, die beson­ders in der jet­zi­gen Anfangs­pha­se von Sol­wein her­vor­sticht. Außer­halb die­ses künst­le­ri­schen Leit­mo­ti­ves spie­len für mich die Son­nen­wen­den noch eine Rol­le: Son­nen­wen­den feie­re ich schon lan­ge gemein­sam mit einem bes­ten Freund — wir nut­zen das beson­de­re Datum der Son­nen­wen­de um den letz­ten Jah­res­ab­schnitt Revue pas­sie­ren zu las­sen, mit Ereig­nis­sen abzu­schlie­ßen und Plä­ne für das Kom­men­de zu sam­meln. Die­se fei­ern wir immer an bestimm­ten Orten in der Natur des Pfäl­zer Wal­des, aller­dings nicht um einen vor­zeit­li­chen helio­zen­tri­schen oder gar neu­heid­nisch-eso­te­ri­schen Kult auf­er­ste­hen zu las­sen, son­dern viel­mehr auf­grund der vor­her genann­ten, doch eher boden­stän­di­gen Grün­de.
Den­nis DeBia­se ©
Es ist tat­säch­lich erfri­schend zu hören, dass die­se Him­mels­er­eig­nis­se für dich aus­schließ­lich den Cha­rak­ter einer indi­vi­du­el­len Innen­schau zu besit­zen schei­nen. Gera­de im sub­kul­tu­rel­len Bereich wer­den die Son­nen­wen­den oft als zünf­tig okkul­tes Gemein­schaftsevent ver­mar­ket”.
Wo ziehst du in dei­nem künst­le­ri­schen Schaf­fen die Trenn­li­nie zwi­schen zeit­ge­mä­ßem Vor­wärts­stre­ben und einer gewis­sen Sehn­sucht nach einer roman­ti­schen Ver­gan­gen­heit?
Es fin­den sich ja unter ande­rem Titel wie Der Wan­der­vo­gel” auf Omnia Vin­cit Amor. Ist ein sol­cher Song nur als Hom­mage an eine unter­ge­gan­ge­ne Jugend­kul­tur zu ver­ste­hen, oder ist da auch eine per­sön­li­che Nähe zu den Idea­len und Wer­ten des Wan­der­vo­gels ver­bor­gen?
Ich sehe die roman­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit, bezo­gen auf Geschich­te, Lyrik und Pro­sa als bezeich­nen­des Cha­rak­te­ris­ti­kum von Sol­wein an. Die­ses Motiv zieht sich als roter Faden durch Omnia Vin­cit Amor”, das möch­te ich defi­ni­tiv nicht abstrei­ten. Aller­dings geschieht die­se Auf­ar­bei­tung immer im Kon­text der
(Rück-)Besinnung, um nicht in roman­ti­scher Ver­klärt­heit auf­zu­lau­fen. Damit schaf­fe ich mir de fac­to einen Gegen­pol zum Wahn­sinn und Druck der Zeit­ge­mäß­heit, der mir täg­lich, unter ande­rem auch durch mei­nen Beruf in der Medi­en­bran­che, ent­ge­gen­schlägt. Dem­zu­fol­ge kann man einen gewis­sen ver­träum­ten Eska­pis­mus nicht ganz ver­leug­nen. Gleich­zei­tig möch­te ich aber beto­nen, dass sich ein Vor­wärts­stre­ben und ein roman­ti­sches Füh­len, sowie Den­ken in keins­ter Wei­se gegen­sei­tig aus­schlie­ßen. Im Gegen­teil: Ich sehe das Gan­ze eher als sich ergän­zen­den Syn­kre­tis­mus an. Dem­zu­fol­ge kann ich auch das Stück Der Wan­der­vo­gel” dar­in ein­schlie­ßen. Eine unter­ge­gan­ge­ne Jugend­kul­tur möch­te ich mit die­sem Lied weni­ger besin­gen, viel­mehr will ich damit zum Aus­druck brin­gen, was das Wan­dern für mich bedeu­tet: Frei­heit. Auch wenn ich am liebs­ten allei­ne wan­de­re, da mir dort die bes­ten Ideen, Gedan­ken und Ein­fäl­le kom­men, kann ich eine per­sön­li­che Nähe zu eini­gen Idea­len und Wer­ten der Wan­der­vo­gel Bewe­gung bestä­ti­gen — Nicht zuletzt, weil sich die Wan­der­vö­gel auch auf gewis­se Idea­le der Roman­tik berie­fen. In Der Wan­der­vo­gel” habe ich mich übri­gens auch von einem zur Zeit der Wan­der­vo­gel-Bewe­gung wie­der popu­lär gewor­de­nen Schrift­stel­ler beein­flu­ßen las­sen: Eini­ge Zei­len aus einem Gedicht aus Wald­meis­ters Braut­fahrt” von Otto Roquet­te habe ich in den Lied­text ein­flie­ßen las­sen.

” Ihr Wan­der­vö­gel in der Luft,

im Äther­glanz, im Son­nen­duft

in blau­en Him­mels­wel­len,

euch grüß’ ich als Gesel­len!

Ein Wan­der­vo­gel bin ich auch

mich trägt ein fri­scher Lebens­hauch (…)”

Otto Roquet­te – Wald­meis­ters Braut­fahrt
Lass uns kurz noch das The­ma Wan­der­schaft und Natur ver­tie­fen. Je mehr ich über dich als Künst­ler und über Sol­wein im Spe­zi­el­len, aus dem Gespräch erfah­re, des­to mehr kommt es mir so vor, als sei C.D. Fried­richs Klas­si­ker der Roman­tik Wan­de­rer über dem Nebel­meer” zum Leben erwacht. Son­nen­be­schie­nen und in Ein­sam­keit, mit bei­den Bei­nen fest auf dem schrof­fen Fel­sen ste­hend, den Blick in die Zukunft gerich­tet, wäh­rend der gnä­di­ge Nebel die unvoll­kom­me­ne, hek­ti­sche Moder­ne für wenigs­tens einen Moment zudeckt. Kannst du aus dei­nen eige­nen Natur­er­fah­run­gen auf Wan­der­schaft her­aus nach­emp­fin­den, wie sich die zen­tra­le Figur des Gemäl­des füh­len muss? Was war für dich per­sön­lich dei­ne ein­drucks­volls­te Begeg­nung mit der Natur und in wel­chen dei­ner Songs auf Omnia Vin­cit Amor kom­men die­se Moti­ve am stärks­ten zur Gel­tung?
Der Wan­de­rer über dem Nebel­meer.
Erst möch­te ich sagen, dass du den Geist, den Cas­par David Fried­richs Gemäl­de ver­kör­pert sehr schön in Wor­te gefasst hast. Tat­säch­lich ist die­ses Gemäl­de wirk­lich eines der Kunst­wer­ke, die mich in sei­ner Art und Aus­sa­ge schon früh inspi­riert hat. Ich den­ke, jeder, der von Zeit zu Zeit den Drang ver­spürt ein­fach und ohne bestimm­tes Ziel los­zu­wan­dern, kann die­ses Gefühl der Ere­mi­ten­haf­ten Erha­ben­heit, ja viel­leicht sogar Über­le­gen­heit nach­voll­zie­hen, sobald er kla­re Wald­luft atmet, auf ein stil­les Tal her­un­ter­blickt und Vogel­sang in den Ohren hat. Ich den­ke du bist mir da einer Mei­nung, wenn ich sage: Das bedeu­tet geis­ti­ge Frei­heit und Klar­heit. So muss sich der Wan­ders­mann auf CD Fried­richs Gemäl­de auch füh­len. Ich sehe ihn daher als Grund­idee des Wan­der­vo­gels. Die­se Ein­stel­lung kann man eigent­lich auch zum Gesamt­kon­zept Sol­weins als pas­send erach­ten. Am stärks­ten kommt das in den Lie­dern zur Gel­tung, die mit der Natur­sym­bo­lik und Meta­phern spie­len. Hier sei zum Bei­spiel die Man­del­blü­te zu erwäh­nen – die­se ursprüng­lich als Gedicht, ganz im Geis­te Eichen­dorffs ver­fass­te Lobes­hym­ne auf den Früh­ling sym­bo­li­siert einen Lebens­ab­schnitt, den ich zum Zeit­punkt des Ver­fas­sens des Gedich­tes begon­nen habe. Die­sen ver­ste­he ich als Tau­wet­ter gegen­über einer vor­her eher kal­ten und bedrü­cken­den Epi­so­de mei­nes Lebens. Die Quint­essenz des Lied­ge­dich­tes ist daher: Früh­ling bringt Frei­heit”.
Abseits der meta­pho­risch-auto­bio­gra­fi­schen Ver­ar­bei­tung von Natur- und Jah­res­zeit­ele­men­ten sei auch das Instru­men­tal­stück Tem­pes­tas” im Hin­blick auf ein­drucks­vol­le Begeg­nun­gen mit der Natur genannt. Die­ses Stück habe ich in den Grund­tö­nen tat­säch­lich wäh­rend einem sehr ein­drucks­vol­len Som­mer­ge­wit­ter erdacht – die sich spä­ter dar­aus ent­wi­ckeln­de Poly­pho­nie und Ver­ar­bei­tung von Feld­auf­nah­men bezog sich auch immer in Rück­be­sin­nung auf die­ses für mich sehr bedeut­sa­me Ereig­nis. Viel­leicht ist mir die­ses Gewit­ter auch nur wegen der plötz­li­chen dar­aus fol­gen­den Ein­ga­be beson­ders im Gedächt­nis geblie­ben, aber auch wenn dem so sei, war es sicher eine impo­san­te Begeg­nung mit den unbän­di­gen Mäch­ten der Natur.
Früh­ling bringt Frei­heit”. Die­ser Aus­sa­ge stim­me ich in jedem Fall voll und ganz zu. Auch wenn du anführst, dass Wald­luft und pure Natur der geis­ti­gen Klar­heit för­der­lich sind, bin ich ganz bei dir. Die Natur wirkt ja schon seit Urzei­ten als die grund­le­gen­de Inspi­ra­ti­on des Kunst­schaf­fen­den, sei es mit dem Pin­sel oder mit der Feder. Und gera­de die Dich­ter und Den­ker neh­men in dei­nem musi­ka­li­schen Schaf­fen ja beson­de­ren Raum ein. Wel­chen Schrift­stel­lern neben Eichen­dorff ver­dankt Sol­wein noch sei­ne lyri­sche Viel­falt? Was ist zuerst da – Schreibst du einen Song um eine beson­de­re Kern­aus­sa­ge her­um oder ist da zuerst die Melo­die?
Ein Schrift­stel­ler, von dem auch das Zitat am Anfang unse­rer Unter­hal­tung stammt und wel­cher auch erheb­li­chen Ein­fluß auf mei­ne eige­ne Lyrik aus­übt, ist Her­mann Hes­se. Von ihm habe ich das Gedicht Gestutz­te Eiche” ver­tont. Die lyri­schen Kern­aus­sa­gen von Hes­se emp­fin­de ich als sehr erhe­bend, wes­halb eine Ver­to­nung nahe­lie­gend war, da die Dua­li­tät von Hoff­nung trotz Schwer­mut ganz im Geis­te Sol­weins liegt. Die­se Ver­to­nung ent­stand übri­gens in Koope­ra­ti­on mit dem Schau­spie­ler Fritz Staven­ha­gen, dem Initia­tor des Pro­jek­tes Gespro­che­ne Deut­sche Lyrik”. Als wei­te­re Gedicht­ver­to­nung kann ich auch Nietz­sches Nach einem nächt­li­chen Gewit­ter” anfüh­ren. Beson­ders die frü­he Lyrik die­ses, oft falsch ver­stan­de­nen und spä­ter lei­der ver­klär­ten, Phi­lo­so­phen hat mich auch maß­geb­lich beein­flusst. Außer­halb mei­nes musi­ka­li­schen Schaf­fens sind Wer­ke von Nova­lis, Goe­the, Schle­gel, Fich­te, Tho­mas Mann, E.T.A. Hoff­mann, Ste­fan Geor­ge, Brecht, Böh­me und wei­te­re wich­tig für mich. Als einen Autor, der hier etwas aus der Rei­he fällt wäre noch Tol­ki­en als Roman­ti­ker der Moder­ne zu nen­nen – Ich lie­be die, von ihm geschaf­fe­ne Mys­tik und Folk­lo­re, wes­halb ich ihn auch als Inspi­ra­ti­ons­quel­le nen­nen kann. Um zurück zum musi­ka­li­schen Teil von Sol­wein zu kom­men und um dei­ne Fra­ge zu beant­wor­ten, wie die Songs ent­ste­hen: Meis­tens habe ich zual­ler­erst eine zen­tra­le Kern­aus­sa­ge, ein State­ment oder eine Ein­ge­bung”, die ich in Wor­te fas­sen will. In der Regel geschieht dann das zu Paper brin­gen des Gedich­tes mit der Gitar­re in der Hand, so wird schon die Basis­me­lo­die” bestehend aus den Grund­ak­kor­den kon­stru­iert. Die poly­pho­nen Gitar­ren­me­lo­dien wer­den tat­säch­lich zum Groß­teil erst bei den fina­len Auf­nah­men im Stu­dio geschaf­fen. Das macht die gan­ze Auf­nah­me sehr dyna­misch und spon­tan wes­halb es auch recht schwie­rig sein dürf­te die Wer­ke in ihrer gesam­ten musi­ka­li­schen Kom­ple­xi­tät live dar­zu­bie­ten. Abschlie­ßend möch­te ich noch etwas zu den bereits ange­spro­che­nen Ein­ge­bun­gen”, die am Anfang des Schaf­fens ste­hen, sagen: da ich seit eini­gen Jah­ren nun schon das luzi­de Träu­men prak­ti­zier­te kommt mir von Zeit zu Zeit in einem Klar­traum die Inspi­ra­ti­on für Lie­der. In die­sen Klar­träu­men höre ich den Song fer­tig pro­du­ziert: Die Lyrik, die Instru­men­tie­rung, der Gesang und die Song­struk­tur sind dar­in bereits fer­tig vor­han­den. Für die­se Inspi­ra­ti­ons­quel­le bin ich sehr dank­bar – schwie­rig wird es dann oft nur, wenn es dar­an geht den Song nach dem Auf­wa­chen fest­zu­hal­ten, da man recht schnell wie­der ver­gisst.

Außer­halb mei­nes musi­ka­li­schen Schaf­fens sind Wer­ke von Nova­lis, Goe­the, Schle­gel, Fich­te, Tho­mas Mann, E.T.A. Hoff­mann, Ste­fan Geor­ge, Brecht, Böh­me und wei­te­re wich­tig für mich. Als einen Autor, der hier etwas aus der Rei­he fällt wäre noch Tol­ki­en als Roman­ti­ker der Moder­ne zu nen­nen – Ich lie­be die, von ihm geschaf­fe­ne Mys­tik und Folk­lo­re, wes­halb ich ihn auch als Inspi­ra­ti­ons­quel­le nen­nen kann.

Den­nis DeBia­se
Hast du Kon­tak­te in die Thea­ter-/Film­bran­che oder wie bist du zu der Koope­ra­ti­on mit Fritz Staven­ha­gen gekom­men? Ich habe mich ein wenig in sei­ne Vita ein­ge­le­sen und stel­le fest, dass Herr Staven­ha­gen ein Mann mit Idea­len zu sein scheint. Gera­de sein poli­ti­sches Enga­ge­ment für die Agrar­wen­de und für ein Ende der Mas­sen­tier­hal­tung impo­nie­ren mir sehr.
The­ma­tisch pas­send zum nahen Ende unse­rer Unter­hal­tung, die mit dem Früh­ling begann, kom­men wir jetzt sozu­sa­gen der Win­ter­son­nen­wen­de näher. Du sprachst von luzi­den Träu­men als Quel­le der Inspi­ra­ti­on. Kann ich davon aus­ge­hen, dass die Ein­ge­bung zu dei­nem Song über die Win­ter­ru­nen auch einen tie­fe­ren, ein­ge­raun­ten Ursprung hat?
Ich habe kei­ne Kon­tak­te in die Thea­ter­bran­che, auf Herrn Staven­ha­gen bin ich tat­säch­lich durch sein Lyrik-Pro­jekt auf­merk­sam gewor­den. Da man einem Brief doch noch mehr Wert­schät­zung ent­ge­gen­bringt, begann mei­ne Kor­re­spon­denz mit Herrn Staven­ha­gen ganz klas­sisch auf dem pos­ta­li­schen Wege. Herr Staven­ha­gen war von mei­ner Idee sein Pro­jekt der gespro­che­nen Lyrik mit einer musi­ka­li­schen Ver­ar­bei­tung zu ver­bin­den nicht abge­neigt. So ist also der Song Gestut­ze Eiche” ent­stan­den. Sein poli­ti­sches Enga­ge­ment habe ich erst im Nach­hin­ein in Erfah­rung gebracht, aber Herr Staven­ha­gens Ein­satz steht ganz im Geis­te Sol­weins. Ich selbst unter­stüt­ze zwar kei­ne poli­ti­sche Par­tei, habe aber fes­te Wer­te und Tugen­den für mich defi­niert, die ich bei­spiels­wei­se mit der Unter­stüt­zung der Schutz­ge­mein­schaft Deut­scher Wald”, sowie diver­sen Frie­dens­kam­pa­gnen in die Öffent­lich­keit tra­ge. Mein Pro­jekt Sol­wein soll auch hier ein Instru­ment sein mei­ne Ansich­ten in posi­tiv-pro­duk­ti­ver Wei­se zu ver­ar­bei­ten.
Um zu dei­ner Fra­ge bzgl. der Win­ter­ru­nen zu kom­men. Das Motiv der Runen habe ich hier meta­pho­risch ver­ar­bei­tet. Ich bin ein gro­ßer Freund der Sym­bo­lik vie­ler­lei Kul­tu­ren: für das von dir ange­spro­che­ne Lied habe ich mich der eso­te­ri­schen Runen­sym­bo­lik bedient – und hier vor allem an eher nega­tiv kon­no­tier­ten Runen bzw. Runen, die eine eher nega­ti­ve Bedeu­tungs­zu­ord­nung erfah­ren haben (zum Bei­spiel: Thu­ri­saz, Kau­n­an, Haga­laz etc.) und die ich per­sön­lich dem Win­ter und der Käl­te zuord­nen wür­de. Die Inspi­ra­ti­on hier­für kam nicht aus einem luzi­den Traum (wie zum Bei­spiel bei Auch Herbst bringt Leben” der Fall) son­dern wie­der aus der Natur: Die letzt­jäh­ri­ge Rück­kehr des Win­ters im spä­ten Früh­jahr, die auch zu gro­ßen Ein­bu­ßen in der Wein­ern­te führ­te, hat mir den Impuls gege­ben die­se The­ma­tik wei­ter aus­zu­füh­ren.
Die Sym­bo­lik der Win­ter­ru­ne scheint mir jetzt eine gute Basis zu sein, um ein kur­zes Resü­mee aus unse­rem viel­schich­ti­gen Gespräch zu zie­hen, auch wenn der Gesprächs­stoff sicher­lich noch schier end­los wäre. Ich den­ke wir haben Sol­wein als ein Pro­jekt ken­nen­ge­lernt, in dem Sym­bo­lik, deut­sche Roman­tik, das Wis­sen um Ver­gan­ge­nes und Natur­kraft eine sehr frucht­ba­re und tie­fe Ver­bin­dung ein­ge­hen. Ich freue mich jeden­falls sehr auf den Release des fer­ti­gen Albums via Lich­ter­klang. Abschlie­ßend wür­de mich noch inter­es­sie­ren, wel­che wei­te­ren Plä­ne du mit Sol­wein ver­folgst. Du schreibst ja, dass Live-Auf­trit­te eher unwahr­schein­lich sind. Wohin wird sich das Pro­jekt ent­wi­ckeln?
De nihi­lo nihil: Zur­zeit arbei­te ich an einer Sin­gle, wel­che nach dem Release der Omnia Vin­cit Amor” ver­öf­fent­lich wird. Die­se knüpft sti­lis­tisch, sowohl im musi­ka­li­schen Bereich, als auch in der lyri­schen The­ma­tik an Omnia Vin­cit Amor” an. Dies­mal wer­den aller­dings eher düs­te­re Sei­ten der Roman­tik ver­ar­bei­tet – The­men aus der sog. Schwar­zen Roman­tik. Bei einer Ver­to­nung han­delt es sich zum Bei­spiel um das Gedicht Wald­ge­spräch” von Eichen­dorff, wel­ches den Lore­ley Mythos behan­delt. Bei die­ser Ver­to­nung erhal­te ich Unter­stüt­zung von einer Sän­ge­rin, sodass ich das Gedicht als musi­ka­li­sches Duett auf­ar­bei­te. Des wei­te­ren konn­te ich bei die­sem Lied Fabi­an Zirk­ler von Nort­hern Accent für zusätz­li­che Unter­stü­zung am Pia­no gewin­nen, sodass sich die gan­ze musi­ka­li­sche Auf­ar­bei­tung noch brei­ter gestal­tet, als dass nur mit mehr­stim­mi­gen Gitar­ren mög­lich wäre.
Des­wei­te­ren befin­det sich ein Musik­vi­deo zu Der Wan­der­vo­gel” in Arbeit. Die­ses wur­de am Haar­dtrand, einem Natur­schutz­ge­biet in der Pfalz zwi­schen Reben und Wald gedreht. Dass sich mei­ne Moti­va­ti­on und der Taten­drang mit Sol­wein aktiv zu sein noch lan­ge nicht aus­ge­schöpft haben, zeigt sich auch an bereits fer­tig geschrie­be­nen Lie­dern und zahl­rei­chen wei­te­ren Ideen für ein zwei­tes Album. An die Pro­duk­ti­on des zwei­ten Album wer­de ich aller­dings erst im Herbst (nach dem berühm­ten Som­mer­loch) gehen – Man darf sich also noch auf wei­te­res Mate­ri­al freu­en, denn mein Durst nach gutem Neo­folk ist noch lan­ge nicht gestillt. Nichts­des­to­trotz bin ich mit dem Release von Omnia Vin­cit Amor” erstein­mal gespannt, wie Sol­wein in der deut­schen und inter­na­tio­na­len Neo­folk-Hörer­schaft ankom­men wird.
Schön zu hören, dass wir auch nach dem offi­zi­el­len Release mit dir rech­nen kön­nen! Ich habe dich in den letz­ten Wochen, in denen wir das Inter­view geführt haben, als Künst­ler ken­nen­ler­nen dür­fen, des­sen Per­sön­lich­keit und Geis­tes­hal­tung untrenn­bar mit sei­nem Pro­jekt ver­schmol­zen zu sein scheint. Ehr­li­cher und authen­ti­scher kann Neo­folk wohl nicht gelebt wer­den! Wir vom Eiben­rei­ter wün­schen dir für die kom­men­de Zeit auf jeden Fall das Maß an posi­ti­ver Auf­merk­sam­keit aus der Sze­ne, das einem Pro­jekt mit soviel Herz­blut gebührt und wer­den dich auch wei­ter­hin unter­stüt­zen. Vie­len Dank für das schö­ne Gespräch, ich hof­fe dir gönnst dir bei all der Arbeit an Sol­wein auch die ein oder ande­re Muße­stun­de. Hast du in die­sem Zusam­men­hang even­tu­ell noch die ein oder ande­re Wein­emp­feh­lung aus dei­ner Regi­on für uns?
Bzgl. Muße­stun­de kann ich fol­gen­des sagen: Mir fällt es schwer abzu­schal­ten – Daher ist es für mich umso wich­ti­ger auch mal alles ste­hen und lie­gen zu las­sen: Das klappt am bes­ten bei einem Glas (oder auch einer Fla­sche) loka­lem Weiß­wein. Emp­feh­len kann ich dir hier einen 2016er Weiß­bur­gun­der aus dem Wein­gut Adria­ne Moll aus Sankt Mar­tin. In gesel­li­ger Run­de emp­feh­le ich dir aller­dings die obli­ga­to­ri­sche Ries­ling­s­chor­le – 34 Ries­ling 14 Mine­ral­was­ser – am Bes­ten den tro­cken Ries­ling der Wein­biet Manu­fak­tur aus der Lage Muß­ba­cher Esels­haut. Pas­send zu einem Kurz­ge­dicht Goe­thes:

Was­ser allein macht stumm, das zei­gen im Bach die Fische.

Wein allein macht dumm, sie­he die Herrn am Tische.

Da ich keins von bei­den will sein, trink ich Was­ser mit Wein.

Goe­the
Ich dan­ke dir viel­fach für die Mög­lich­keit mich im Eiben­rei­ter geäu­ßert haben zu dür­fen – Für euch wün­sche ich auch die Auf­merk­sam­keit, die einem so enga­gier­ten und viel­sei­tig inter­es­sier­tem Team gebührt. In die­sem Sin­ne: Zum Wohl und auf ein Wie­der­se­hen, ger­ne auch bei mir in der Pfalz bei einem guten Glas!