Review zum Dokumentarfilm »Alpgeister«

Review zum Dokumentarfilm »Alpgeister«

Alp­geis­ter“ gelingt es mit der statt­li­chen Anzahl an Gesprächs­part­nern, eine gro­ße Band­brei­te an spi­ri­tu­el­len Blick­win­keln auf den alpi­nen Kul­tur- und Natur­raum abzu­bil­den.

Die Ber­ge — damals wie heu­te Sehn­suchts­ort und roman­ti­sche Pro­jek­ti­ons­flä­che glei­cher­ma­ßen. Wo schnee­be­deck­te Gip­fel schroff und ent­rückt in die Wol­ken ragen, das Wil­de“ und Ursprüng­li­che auf­grund sei­ner ein­ge­schränk­ten Zugäng­lich­keit noch mehr Teil der Land­schaft ist als anders­wo, da geht der Doku­men­tar­film Alp­geis­ter“ auf spi­ri­tu­el­le Spu­ren­su­che im Grenz­be­reich zwi­schen alpi­ner Natur und Kul­tur. 

Das Schöns­te, was wir erle­ben kön­nen, ist das Geheim­nis­vol­le“ 

Albert Ein­stein

Mit die­sem Zitat eröff­nen Wal­ter Stef­fen und sei­ne unab­hän­gi­ge Konzept+Dialog.Medienproduktion die Doku­men­ta­ti­on Alp­geis­ter“. In den fol­gen­den 97 Minu­ten nimmt uns der Fil­me­ma­cher, aus dem süd­lichs­ten Ort Deutsch­lands, mit auf eine Rei­se, die den Zuschau­er bekannt machen soll mit den Geheim­nis­sen, Sagen und Mythen des Alpen­lan­des. 

Dabei sind die Dreh­or­te an denen die Kame­ra mal cine­as­ti­sche, mal inti­me Bil­der ein­fängt, eben­so viel­fäl­tig wie die Inter­view­part­ner Stef­fens. Vom Unters­berg, wo wir einer Sonn­wend­fei­er des Alpen­scha­ma­nen Rai­ner Lim­pöck in einer Höh­le bei­woh­nen, über Berch­tes­ga­den, Groß­gmain, das Isar­tal und das Kar­wen­del­ge­bir­ge, um nur eini­ge Orte zu nen­nen, kom­men nicht weni­ger als 19 Orts- und Sach­kun­di­ge in kur­zen Sequen­zen zu Wort. Dar­un­ter Hir­ten, Hand­wer­ker, Theo­lo­gen, Unter­neh­mer und Natur­heil­kun­di­ge. Zusam­men­ge­hal­ten wer­den die Rede­bei­trä­ge unter ande­rem durch das aus­führ­li­che Inter­view mit der Geschich­ten­er­zäh­le­rin Bär­bel Ben­te­le, die den Zuschau­er anhand des Jah­res­ra­des in die archai­sche Welt der Ande­ren“ führt.

Alp­geis­ter“ gelingt es mit der statt­li­chen Anzahl an Gesprächs­part­nern, eine gro­ße Band­brei­te an spi­ri­tu­el­len Blick­win­keln auf den alpi­nen Kul­tur- und Natur­raum abzu­bil­den. Wen es nicht stört, dass das Pen­del bei man­chen Rede­bei­trä­gen, zumin­dest mei­ner Mei­nung nach, auch ger­ne ein­mal in die eso­te­ri­sche“ Rich­tung aus­schwingt, der wird an den uri­gen Berich­ten über Wil­de Frau­en, kämp­fen­de Rie­sen und wehr­haf­te Geis­ter sei­ne wah­re Freu­de haben. 

Ergänzt wer­den die Natur­auf­nah­men und Inter­views durch Spiel­sze­nen und Com­pu­ter­ani­ma­tio­nen. Wo die rea­len Schau­spie­ler wirk­lich über­zeu­gen kön­nen und der Doku­men­ta­ti­on zusätz­li­che Tie­fe ver­lei­hen, gelingt das Zusam­men­spiel mit ihren oft eher höl­zern agie­ren­den 3D Kol­le­gen“ aus dem Rech­ner hin­ge­gen, nicht ihn jedem Fall, rei­bungs­los. Dafür wer­den fan­ta­sie­vol­le 2D Ani­ma­tio­nen ein­ge­floch­ten, die sich an mit­tel­al­ter­li­chen Illus­tra­tio­nen ori­en­tie­ren. 

Wal­ter Stef­fen ist in jedem Fall ein im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes, wun­der­ba­res“ Stück des unab­hän­gi­gen und spi­ri­tu­el­len Kinos gelun­gen. Mit Alp­geis­ter“ liegt eine Doku­men­ta­ti­on vor, die Lust dar­auf macht, sei­nen eige­nen Platz in die­sem fein ver­wo­be­nen und zuneh­mend fra­gi­ler wer­den­den Netz aus Mytho­lo­gie, Land­schaft und Mensch­sein zu erfor­schen.