Rauer Charme — Der Schweizer Armee Rucksack

Rauer Charme — Der Schweizer Armee Rucksack

Der klei­ne­re Bru­der mit 50 l Volu­men hin­ge­gen beglei­tet mich seit Jah­ren im All­tag zum Ein­kau­fen, auf die Arbeit, in der Natur, beim Wan­dern, beim Rad­fah­ren und auf Rei­sen. Mein per­sön­li­cher, unka­putt­ba­rer Lada Niva“ für den Rücken eben.

Ruck­sack in der 80 l ‑Vari­an­te, Lederol und Leder. Foto: »Der Eiben­rei­ter« 2018

Über­legt ihr euch gera­de den Kauf eines neu­en Ruck­sacks und steht ein wenig rat­los vor einem Rie­sen­an­ge­bot zwi­schen zahl­lo­sen Hipster­mo­del­len“ und ultra­leich­ten, moder­nen Vari­an­ten mit ganz viel Mesh, Plas­te, Reiß­ver­schlüs­sen und tau­send Fächern? Wenn euch bei­de Mög­lich­kei­ten genau­so wenig zusa­gen wie uns, wenn ihr weni­ger auf Nylon und Plas­tik, dafür mehr auf Metall, Leder und Hand­ar­beit zu bezahl­ba­ren Kon­di­tio­nen steht, dann kön­nen wir euch mit dem gebrauch­ten Schwei­zer Armee­ruck­sack in drei Aus­füh­run­gen eine ech­te Alter­na­ti­ve mit Ecken, Kan­ten und vor allem Cha­rak­ter emp­feh­len. 

Vom Fellaffen über Salz und Pfeffer zur Ölhaut — Der Schweizer Armee Rucksack im Wandel der Zeit

Uns soll es in die­sem Arti­kel vor­nehm­lich um 3 gebräuch­li­che Vari­an­ten des Schwei­zer Armee­ruck­sacks gehen. Die­se soll­tet ihr immer mal wie­der ohne grö­ße­re Pro­ble­me in ein­schlä­gi­gen Shops für gebrauch­te Mili­ta­ria oder auf Ebay zu bezahl­ba­ren Prei­sen auf­trei­ben kön­nen: 


Modell:Mate­ri­al: Maße:Volu­men:Gewicht:
»Groß« Lederolca. 75 x 40 x 3080 l ca. 3,4 kg
»Nor­mal«Lederolca. 55 x 40 x 3050 l ca. 2,5 kg
»Salz und Pfef­fer«Segel­tuchca. 55 x 40 x 30 50 lca. 2,5 kg

Was für das Schwei­zer Heer aktu­ell aus moderns­ten Kunst­fa­sern her­ge­stellt wird, begann sei­ne Kar­rie­re nach dem 1. Welt­krieg als der soge­nann­te Fäll­aff“. Der kan­ti­ge Tor­nis­ter erhielt den wenig schmei­chel­haf­ten Namen wegen sei­nes außer­ge­wöhn­li­chen Ober­ma­te­ri­als. Ein Pony­fell schütz­te den Inhalt des Tor­nis­ters gegen Näs­se und Schnee und ließ den Rekru­ten aus­se­hen, als trü­ge er einen haa­ri­gen Affen auf dem Rücken mit sich her­um. In den 40er Jah­ren konn­ten die Schwei­zer Ponys dann schließ­lich auf­at­men: Der Bezug aus Fell wich einem robus­ten Segel­tuch, des­sen cha­rak­te­ris­ti­sches Pünkt­chen­mus­ter die­ser Pro­duk­ti­ons­rei­he den klin­gen­den Bei­na­men Salz und Pfef­fer“ ein­brach­te. 

Per­fekt im Gebir­ge getarnt: Die Segel­tuch-Vari­an­te, genannt »Salz und Pfef­fer« aus den 40er Jah­ren. Kos­ten­in­ten­si­ver als die spä­te­ren Lederol-Model­le aus den 70er Jah­ren, dafür mit umso mehr Charme und »Neo­folk-Appeal« »Foto: Der Eiben­rei­ter 2020«

Das schö­ne Segel­tuch wie­der­um wur­de in den 70er Jah­ren durch ein Mate­ri­al namens Lederol, auch Ölhaut genannt, ersetzt. Die Lederol-Vari­an­te soll­te auch der letz­te Typ des Ruck­sacks sein, für des­sen Pro­duk­ti­on das Schwei­zer Heer Satt­ler aus dem gan­zen Land ver­pflich­tet hat­te.

Hand­werk: Die­sen Ruck­sack aus Lei­nen und Leder fer­tig­te ein gewis­ser B.Ferrari aus Riva San Vita­le im Jahr 1954 Foto: Der Eiben­rei­ter 2020

Ein wirk­lich schö­nes Detail und der Beweis für ech­te Hand­ar­beit: Der aus­füh­ren­de Satt­le­rei­be­trieb hin­ter­ließ auf jedem Werk­stück sei­nen indi­vi­du­el­len Prä­ge­stem­pel mit Namen, Fer­ti­gungs­jahr und Ort. So lässt sich bis heu­te fest­stel­len, dass ein Satt­ler namens Otto Leh­mann aus dem Ort Wün­ne­wil mei­nen 50 l Lederol Ruck­sack im Jahr 1977 her­stell­te, wäh­rend The­re­sas Salz und Pfef­fer“ bereits 1954 in Riva San Vita­le im Betrieb eines B. Fer­ra­ri sei­nen Dienst als zuver­läs­si­ger Segel­tuch-Beglei­ter im Gebir­ge antrat.

Drau­ßen unter­wegs mit dem 50 l Ruck­sack (Lederol mit Leder­bo­den) Foto: Der Eiben­rei­ter 2020

Gute Gründe sich für einen gebrauchten Schweizer Armeerucksack zu entscheiden

Natür­lich könn­te man sich jetzt fra­gen, war­um man sich für einen 40 bis 60 Jah­re alten Ruck­sack ent­schei­den soll­te. Die Ant­wort: Bei­na­he unver­wüst­li­che Mate­ria­li­en, sau­ber ver­ar­bei­tet durch einen fach­kun­di­gen Hand­werks­be­trieb, von der Satt­ler­naht mit der Rie­men, Schlie­ßen und Tra­ge­gurt befes­tigt sind, bis hin zur bom­ben­fes­ten Ver­nie­tung des inte­grier­ten Tra­ge­ge­stells. Der Boden aller vor­ge­stell­ten Vari­an­ten besteht übri­gens aus stra­pa­zier­fä­hi­gem Rinds­le­der, ein soge­nann­ter Schnee­fang erwei­tert das Fas­sungs­ver­mö­gen und ver­hin­dert so zusätz­lich das Ein­drin­gen von Näs­se. 

Geht doch mal ein Teil kaputt, lässt sich der Ruck­sack beim orts­an­säs­si­gen Schus­ter wie­der her­rich­ten, ganz im Sin­ne der Nach­hal­tig­keit. Dor­nen, Regen und Matsch stel­len kei­ne ech­te Bedro­hung dar. Einst kon­zi­piert für den alpi­nen Bereich und hohe Bean­spru­chung, dürf­ten die Anfor­de­run­gen, die der moder­ne (Freizeit-)Outdoor-Enthusiast an sei­nen Ruck­sack stellt, defi­ni­tiv getrof­fen sein. Je nach Lager­zeit und Zustand kann es den­noch nötig sein, zumin­dest den Pfef­fer und Salz“ noch ein­mal zu imprä­gnie­ren. 

Preis­lich schlägt die wun­der­schö­ne Pfef­fer und Salz“ Vari­an­te mit ca. 100 Euro zu Buche, (je nach Zustand) wäh­rend man für die 50 l Lederol Ver­si­on um die 60 Euro und für den Lederol Ruck­sack mit 80 l Volu­men zwi­schen 70 und 90 Euro ein­pla­nen kann. Aus­schlag­ge­bend für die Preis­ge­stal­tung ist hier natür­lich auch immer der Erhal­tungs­zu­stand. Bei mei­nem 50 l Modell muss­te ich zunächst Lager­schä­den (Stock­fle­cken)  besei­ti­gen, dafür war das gute Stück aber auch schon für ca. 30 Euro zu haben. 

Praktische Kombination: Der Schweizer Rucksack und die BW Faltmatte

Die BW Falt­mat­te lässt sich mit dem Schwei­zer Armee­ruck­sack kom­bi­nie­ren und erwei­tert des­sen Funk­tio­na­li­tät um ein prak­ti­sches Detail. Hier zu sehen ist die 50 l Vari­an­te. »Foto: Der Eiben­rei­ter 2020«

Wer nicht auf nas­se Knie im Gelän­de steht, wird sich über die­sen Tip sicher­lich freu­en. Die BW-Falt­mat­te lässt sich wun­der­bar mit dem Schwei­zer Armee­ruck­sack in allen ange­spro­che­nen Vari­an­ten kom­bi­nie­ren und als zusätz­li­ches Rücken­pols­ter sicher und fest auf der Ruck­sack-Rück­sei­te ein­schie­ben. So hat man sei­ne Unter­la­ge für eine spon­ta­ne Pau­se (oder auch beim Foto­gra­fie­ren) immer griff­be­reit und muss nicht umständ­lich im Ruck­sack her­um­wüh­len.

Wer sollte zugreifen? 

Die robus­te und uri­ge Ver­ar­bei­tung der Ruck­sä­cke bedeu­tet aber natür­lich auch ein höhe­res Eigen­ge­wicht bei einem Tra­ge­kom­fort, der sich mit aktu­el­len Model­len nicht ver­glei­chen lässt. Wer sich für die gro­ße Vari­an­te mit 80 l Volu­men ent­schei­det, fügt sei­ner Aus­rüs­tung immer­hin stol­ze 3,4 kg hin­zu, wem hin­ge­gen die 50 l Vari­an­te aus­reicht, der darf immer­hin noch 2,5 kg puren Ruck­sack mit sich her­um­tra­gen. Salz und Pfef­fer“ dürf­te ledig­lich ein paar Gramm weni­ger auf die Waa­ge brin­gen. 

Las­sen sich aus­ge­dehn­te Tages­tou­ren für Untrai­nier­te“ mit dem zusätz­li­chen Gewicht noch super rea­li­sie­ren, sieht es mit Trek­king oder Fern­wan­dern schon wie­der ganz anders aus. Wem es bei sei­nen Akti­vi­tä­ten auf eine ultra­leich­te, kom­pak­te und ergo­no­misch per­fekt anpass­ba­re Aus­rüs­tung ankommt, der wird und soll­te sicher­lich nicht zum Schwei­zer grei­fen. 

Der Bush­craf­ter“ und der Out­door­freak hin­ge­gen wer­den in allen vor­ge­stell­ten Model­len einen stil­vol­len Beglei­ter fürs Leben fin­den. Ich per­sön­lich ver­wen­de den gro­ßen Ruck­sack vor allem bei Frei­luft-Über­nach­tun­gen in der kal­ten Jah­res­zeit, allei­ne schon um den dicken Win­ter­schlaf­sack unter­zu­brin­gen. Der klei­ne­re Bru­der mit 50 l Volu­men hin­ge­gen beglei­tet mich seit Jah­ren im All­tag zum Ein­kau­fen, auf die Arbeit, in der Natur, beim Wan­dern, beim Rad­fah­ren und auf Rei­sen. Mein per­sön­li­cher, unka­putt­ba­rer Lada Niva“ für den Rücken eben.