Okkulte Permakultur?

Okkulte Permakultur?

Okkulte Permakultur? – Die Befreiung von Garten und Gärtner aus der suburbanen Reihenhausmonotonie The story about the digging of the hole and the harvesting of the fruits from hell“

»You must teach your child­ren that the ground bene­ath their feet is the ashes of our grand­fa­thers.

– Noah Seat­tle -

Ver­la­bel­te Bie­nen­freund­lich­keit, der Abschwur von Pes­ti­zi­den und wohl­wol­lend plas­ti­nier­tes Bio­ge­mü­se geben uns ein Gefühl der Sicher­heit. Wir befin­den uns auf dem rich­ti­gen Weg – wird schon alles gut wer­den. Spä­tes­tens hin­term hei­mi­schen Gar­ten­zaun regiert jedoch wie­der das Den­ken Allein kön­nen wir die Welt auch nicht ret­ten…“. Die Unkraut­sprit­ze wird eif­rig zur Wie­der­her­stel­lung der preu­ßi­schen Ord­nung ins Feld geführt. In der Fer­ne sum­men ein­zig und allein die Rasen­mä­her um die letz­ten, von der Tro­cken­heit ver­schon­ten, Gras­hal­me auf 0,8 Zen­ti­me­ter Län­ge zu trim­men. Die Viel­falt in den Gär­ten der ehe­ma­li­gen Che­mie­ar­bei­ter­sied­lung lässt sich mit weni­gen Wor­ten zusam­men­fas­sen: Flie­der, For­sy­thie, Tuja, Kirsch­lor­beer, …, klei­ner Gar­ten­teich oder wahl­wei­se Swim­ming Pool, Ligus­ter­he­cke. Ver­ein­zelt zeigt sich ein Obst­ge­hölz oder Gemü­se­beet. Der Exzen­tri­ker leis­tet sich eine Blu­men­ra­bat­te, die jedes Jahr aufs Neue mit bun­ten Blü­hern aus der Ange­bots­aus­la­ge der hie­si­gen Dis­coun­ter bestückt wird. Wer behaup­tet, dass man sei­nem Nach­barn mit einem Black Metal Mix­tape den letz­ten Zahn zie­hen kann, hat noch nicht das Unkraut­jä­ten und Rasen­mä­hen voll­kom­men ein­ge­stellt…

»All things are connected«

Genug der Iro­nie. Spä­tes­tens durch die wie­der­keh­ren­den Hit­ze- und Dür­re­som­mer der letz­ten Jah­re und die bei­na­he täg­lich neu geführ­te Kli­ma­de­bat­te, gewin­nen die Ide­en der Per­ma­kul­tur immer wei­ter an media­ler und gesell­schaft­li­cher Beach­tung. Mei­ne ers­ten Berüh­rungs­punk­te mit die­sem Kon­zept waren eher unbe­wuss­ter Natur. Unre­gel­mä­ßi­ges Ent­fer­nen von soge­nann­ten Unkräu­tern, die schritt­wei­se Erwei­te­rung und Effek­ti­vie­rung der Kom­post­ka­pa­zi­tät, der Bau eines Wach­tel­ge­he­ges, das Eta­blie­ren eines Kräu­ter­bee­tes und die Berei­che­rung des ehe­ma­li­gen Zier­gar­tens“ durch Nutz­pflan­zen. Die, sich seit eini­ger Zeit ver­stärk­te, Fokus­sie­rung auf die The­men Spi­ri­tua­li­tät und Scha­ma­nis­mus und die dar­aus resul­tie­ren­de Selbst­re­fle­xi­on führ­ten dar­über hin­aus zu einer scho­nungs­lo­sen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem eige­nen Umfeld und der Ana­ly­se der per­sön­li­chen Mög­lich­kei­ten. Sofern die Bewirt­schaf­tung einer klei­nen Land­flä­che mög­lich ist, lie­gen die Vor­zü­ge klar auf der Hand. Sei es das Anpflan­zen diver­ser Kräu­ter- und Räu­cher­pflan­zen, das Schaf­fen eines Rück­zugs­or­tes oder noch bes­ser, eines Kraf­t­or­tes oder ein­fach die Stär­kung der Ver­bin­dung zur Natur. Wie sag­te es bereits Noah Seat­tle, redu­ziert auf sei­nen Haupt­ge­dan­ken: All things are con­nec­ted“.

You must teach your child­ren that the ground bene­ath their feet is the ashes of our grand­fa­thers. So that they will respect the land, tell your child­ren that the earth is rich with the lives of our kin. Teach your child­ren what we have taught our child­ren, that the earth is our mother. Wha­te­ver befalls the earth, befalls the sons of the earth. If men spit upon the ground, they spit upon them­sel­ves. This we know. The earth does not belong to man, man belongs to the earth. This we know. All things are con­nec­ted like blood which unites one fami­ly. All things are con­nec­ted. […] Man did not wea­ve the web of life, he is merely a strand in it. Wha­te­ver he does to the web, he does to him­s­elf.

R. Kai­ser, Die Erde ist uns hei­lig (Frei­burg 1992) 150
Schä­del im Gar­ten des Autors »Untit­led« Foto: Sebas­ti­an F.

Doch was ist Per­ma­kul­tur eigent­lich? Das bereits in den 1970er Jah­ren von Bill Molli­son und David Holm­gren ent­wi­ckel­te Kon­zept trägt Ide­en und Lösun­gen für eine dau­er­haf­te und nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft – per­ma­nent agri­cul­tu­re“ – zusam­men. Vor allem inner­halb des letz­ten Jahr­zehn­tes wur­den die­se Ansät­ze ver­stärkt auch auf den Haus­ge­brauch“ über­tra­gen und sol­len somit zu einer ver­mehr­ten Selbst­ver­sor­gung und reflek­tier­te­rem Lebens­mit­tel­kon­sum füh­ren. Grund­sätz­lich ste­hen das Beob­ach­ten und Nach­ah­men natür­li­cher Pro­zes­se im Vor­der­grund. Um die­se natür­li­chen Mecha­nis­men im eige­nen Gar­ten zu eta­blie­ren, benö­ti­gen wir jedoch eini­ge Zeit – Freud und Leid wer­den dabei unser ste­ter Beglei­ter sein. Dazu kommt, dass jeder Ein­griff in die Gar­ten­struk­tur zu einer Ver­än­de­rung des Mikro­kli­mas füh­ren wird. Wes­halb es sinn­voll erscheint sich mit einem Gesamt­plan aus­ein­an­der­zu­set­zen, der die aktu­el­len Bedin­gun­gen, die ange­dach­ten Umge­stal­tun­gen und die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen glei­cher­ma­ßen erfasst. In wel­chem Maße die durch die Per­ma­kul­tur vor­ge­schla­ge­ne Zonie­rung“ des Gar­tens umsetz­bar ist, hängt von den jewei­li­gen Gege­ben­hei­ten ab.  

»Großmütterchens Garten wird sich verändern«

Das inten­dier­te Resul­tat wer­den weder die dicks­ten Kar­tof­feln, noch die inten­sivs­ten Kräu­ter sein – die­se sind jedoch ein sehr erfreu­li­cher Neben­ef­fekt – son­dern ein gesun­der Boden. Die wahr­schein­lich häu­figs­te Asso­zia­ti­on mit dem Begriff Per­ma­kul­tur ist das Mul­chen. Die groß­zü­gig ver­teil­te Streu­schicht aus zumeist orga­ni­schem Mate­ri­al (Heu, Stroh, Holz­häck­sel, ange­trock­ne­ter Gras­schnitt,…) dient hier­bei in ers­ter Linie der Erhal­tung oder auch Wie­der­her­stel­lung der bio­lo­gi­schen Abläu­fe in unse­rem Boden. Die Akti­vie­rung der Boden­or­ga­nis­men hat zur Fol­ge, dass der wohl sen­si­bels­te Bereich unse­res Lebens­rau­mes gesun­den kann. Am Ende soll ein natur­na­her Raum ent­ste­hen, der auch noch unse­re Uren­kel mit sei­nen Früch­ten beschen­ken wird.

Der Ent­schluss ist gefasst – Groß­müt­ter­chens Gar­ten wird sich ver­än­dern. Weg von einer klar struk­tu­rier­ten, alters­ge­rech­ten und gut­bür­ger­li­chen Prä­sen­ta­ti­ons­flä­che, hin zu einem natur­na­hen Klein­od, das Geben und Neh­men, aber mög­li­cher­wei­se auch ver­stö­ren wird. Dass die­se Revo­lu­ti­on ohne Opfer ver­lau­fen wür­de, stand außer Fra­ge…