Hadewych – »Welving« Review

Es ist ein biss­chen so, als ob man mit­ten in der Nacht in frei­er Natur vor einem Lager­feu­er steht und nach und nach von einer nicht enden wol­len­den, sich ver­stär­ken­den Panik­at­ta­cke erfasst wird.

Nach über 10 Jah­ren erschien im Janu­ar mit Wel­ving (zu Deutsch: Krüm­mung, Wöl­bung) nun end­lich das zwei­te Album des nie­der­län­di­schen Elec­tro­nic-Avant­gar­de-Indus­tri­al-Pro­jekts HADEWYCH. Und so nichts­sa­gend die­se Umschrei­bung des Stils sein mag, so sehr bringt es Peter Johan Nÿland, allei­ni­ges Mit­glied der Band, wohl mit sei­ner eige­nen Beschrei­bung auf den Punkt: »Black ritu­als chan­ne­ling the ultra grotesque.«

Das mag der eige­nen Vor­stel­lung von der zu erwar­ten­den Musik – oder bes­ser: dem Hör­erleb­nis – noch immer einen kaum ein­zu­gren­zen­den Spiel­raum geben, aber man könn­te die Stim­mung des Albums tat­säch­lich kaum tref­fen­der beschreiben.

Nÿland bringt unter Mit­wir­kung von Künst­lern wie TREPANERINGSRITUALEN und der expe­ri­men­tel­len Voka­lis­tin und Jazz­sän­ge­rin Greet­je Bij­ma Sound­land­schaf­ten zustan­de, die zwar nur ab und an die Struk­tur eines ein­zel­nen Lie­des anneh­men, und den­noch wirkt das Album von Anfang bis Ende wohl durch­dacht und zieht den Hörer in sei­nen Bann.

Es ist ein biss­chen so, als ob man mit­ten in der Nacht in frei­er Natur vor einem Lager­feu­er steht und nach und nach von einer nicht enden wol­len­den, sich ver­stär­ken­den Panik­at­ta­cke erfasst wird. Bil­der eines alten Schwarz-Weiß-Hor­ror­films tau­chen auf, man fühlt sich an die sich auf­tür­men­den Bewe­gung des Oze­ans aus Lems Sola­ris erin­nert. Natür­lich weiß man, dass das alles nicht real ist, man weiß, dass alles gut ist. Aber es bleibt den­noch eine unheim­li­che Beklem­mung. Oder wie der Pro­mo­text für das Album es aus­drückt: »High­ly recom­men­ded for tho­se not unafraid to ven­ture into realms unknown.«

https://​hade​wych​.band​camp​.com/​a​l​b​u​m​/​w​elving

https://​clois​ter​re​cord​ingsus​.band​camp​.com/​a​l​b​u​m​/​w​elving

https://​mali​gnant​recs​.band​camp​.com/​a​l​b​u​m​/​w​elving

Neben­bei: Peter Johann Nÿland betreibt im Übri­gen noch das nie­der­län­di­sche Angst-Pop-Duo DISTEL, des­sen letz­tes Album »Wapens« bei den geschmacks­si­che­ren Labels Ant-Zen und Aufnahme+Wiedergabe erschie­nen und das unbe­dingt zu emp­feh­len ist. http://aufnahmeundwiedergabe.bigcartel.com/product/a‑w‑lp024-distel-wapens-lp

Geschrieben von Matthias

Matthias lebt und arbeitet in Berlin. Der leidenschaftliche Musiksammler führt Interviews und schreibt Reviews aus den Bereichen Black Metal, Neofolk, Industrial und allen angrenzenden Bereichen für den Eibenreiter.