Forest Temple – »Twilight Within The Ancient Wood« Review

Hier gibt es kei­nen digi­ta­len Ein­heits­klang, kei­ne MIDI-Spu­ren oder sons­ti­ge anor­ga­ni­sche Grau­sam­kei­ten.

Man kann die heu­ti­ge Dun­ge­on Syn­th Gemein­schaft“ lie­ben, oder has­sen. Seit ein paar Jah­ren erschei­nen jeden­falls monat­lich Ver­öf­fent­li­chun­gen von A‑Z, von den höchs­ten Zin­nen alter Tür­me, bis zur faden Näs­se gäh­nen­der Ker­kers­lee­re. Doch es gibt immer mal wie­der Pro­jek­te, die fri­schen Wind und gewis­sen Cha­rak­ter in die doch ziem­lich ange­staub­ten Gemäu­er die­ses einst so strah­len­den Schlos­ses bla­sen. Sei es aus dem hohen Nor­den, wie Old Sorce­ry es uns ein­drucks­voll bestä­tigt, dem Mitt­le­ren Wes­ten der USA mit Fief, oder aus der süd­li­chen Hemi­sphä­re, genau­er Ozea­ni­en: Die Rede ist von Forest Temple´s Debüt-Beschwö­rung Twi­light Wit­hin The Anci­ent Wood“.

»Twi­light Wit­hin The Anci­ent Wood« Album­co­ver, Lepi­dus Plague/ Forest Temp­le 2019

Uns zieht es in den Wald, näher gesagt in das Reich ver­lo­re­ner König­rei­che, und deren jet­zi­ge Über­bleib­sel. Inmit­ten die­ser moos­be­han­ge­nen Rui­nen wer­den wir Zeu­ge einer ana­lo­gen Wie­der­auf­er­ste­hung kaput­ter Syn­the­si­zer und alten Tas­cam-Por­ta­stu­dio Recor­dern. Hier gibt es kei­nen digi­ta­len Ein­heits­klang, kei­ne MIDI-Spu­ren oder sons­ti­ge anor­ga­ni­sche Grau­sam­kei­ten. Sobald die ers­ten Tas­ten der Kla­via­tur erklin­gen ist man direkt in die musi­ka­li­schen Gefil­de von Hyru­le ver­setzt, die Tracks erin­nern stark an Sound­tracks aus den Stu­di­os eines alt­be­kann­ten japa­ni­schen Video­spiel­her­stel­lers. 

Der Ope­ner The Trees Car­ry The Spirit´s Song“ stimmt uns schon mal für die fol­gen­den sechs Tracks ein: Die Melo­die wie­der­holt sich und baut sich lang­sam im Geis­te alter Hinter-Gitter“-Aufnahmen eines gewis­sen Bar­den Lay­er für Lay­er auf. Das Gerät ist leicht ver­stimmt, erreicht aber gera­de dadurch sei­nen woh­lig old-schoo­li­gen Lei­er­klang. Der fol­gen­de Grin­ning Forest“, oder der grin­sen­de Wald wenn man es so haben will, trägt den auf dem Cover pro­mi­nen­ten Rit­ters­mann gera­de­wegs in das Unbe­kann­te. Ent­lang der sich win­den­den Pfa­de, beginnt ein lang­sa­mer, mythi­scher Ritt durch ver­ges­se­ne, regen­ver­han­ge­ne Rol­len­spiel- und Table­top-Nach­mit­ta­ge. 

Forest Temp­le ist, auch wenn ich die­sen Begriff in letz­ter Zeit immer mehr ver­mei­de, Dun­ge­on Syn­th. Sehr guter sogar.

Der Fluss ver­langt Opfer! So lau­tet jeden­falls die Losung des nächs­ten Kapi­tels der Rei­se. So beginnt The River Deman­ds Sacri­fice“ mit ruhi­gen, nost­al­gi­schen 8‑Bit Klän­gen, mün­det aber in einer rhyth­misch-ritu­el­len Opfer­ga­be zu Ehren der Ader des Wal­des. Shri­nes Amongst The Lea­ves“ bie­tet eine geis­ter­haf­te, melan­cho­li­sche Visua­li­sie­rung uralter Schrei­ne, bevor uns Behol­ding The Thro­ne Of Cer­nun­nos“ mit dem Erschei­nen des gehörn­ten Wald­hü­ters in die kel­ti­sche Sagen­welt ent­führt. Hier gelingt Lepi­dus Pla­gue, dem Mann hin­ter Forest Temp­le, eine musi­ka­li­sche Ver­beu­gung. Eine ein­sa­me Flö­te spielt, wäh­rend Cer­nun­nos´ Ruf uns immer tie­fer in den Wald zieht. Der Track Spec­tres Atop The Moss-Cove­r­ed Ruins“ setzt den Schluss­strich des Albums. Hier wer­den, beglei­tet von Glo­cken, Per­cus­sion und einem sägen­den Syn­the­si­zer Sound noch ein­mal die Geis­ter alter Zei­ten beschwo­ren. Eine ver­hal­len­de Stim­me liest die letz­ten Zei­len, die letz­ten Tas­ten wer­den ange­schla­gen.

Forest Temp­le ist, auch wenn ich die­sen Begriff in letz­ter Zeit immer mehr ver­mei­de, Dun­ge­on Syn­th. Sehr guter sogar. Abseits der Flut von mit­tel­mä­ßi­gen, dahin­flie­ßen­den Mach­wer­ken Mor­ti­is und Co.-Verehrender, schafft es die­se kur­ze, aber kurz­wei­li­ge, etwas über vier­tel­stün­di­ge Key­board-Beschwö­rung mit Old-School Atti­tü­de den etwas über­füt­ter­ten Hörer in sei­nen Bann zu zie­hen. Fans der alten Zel­da-Spie­le, Sound­track-Enthu­si­as­ten und Fan­ta­sy-Fans im All­ge­mei­nen, hört, hört: Zuschla­gen!

Geschrieben von Lucas

Lucas schreibt und zeichnet für den Eibenreiter. Aus seiner Feder sind die Icons für "Kunst Kult und Natur"sowie das Eibenreiter-Logo. Zudem ist er mit der BM-Band "Siechengrund" und dem Ambient-Dungeonsynth Projekt "Dunharg" auch musikalisch im Underground vertreten.