Ein Interview mit dem Naturfotografen Matthias Gröner

Ein Interview mit dem Naturfotografen Matthias Gröner

Ob Feu­er­sa­la­man­der, Wald­käuz­chen oder Hirsch­kä­fer. Der Natur­fo­to­graf Mat­thi­as Grö­ner hat ein Auge für den rich­ti­gen Moment. Mit gebüh­ren­dem Respekt für die Lebens­räu­me sei­ner Model­le bringt uns der Black-Metal und Dun­ge­on-Synth Enthu­si­ast viel­sa­gen­de und leben­di­ge Moment­auf­nah­men aus der frei­en Wild­bahn direkt auf unse­re End­ge­rä­te. Wir haben ein wun­der­bar tief­grei­fen­des Gespräch mit Mat­thi­as geführt.

Mat­thi­as, du hast in den sozia­len Netz­wer­ken und auf www​.natur​bil​der​ma​ga​zin​.de ja schon so eini­ges an Bild­ma­te­ri­al ver­öf­fent­licht. Dei­ne Bil­der wir­ken dabei grund­sätz­lich far­ben­froh und sehr leben­dig. Wie­viel Zeit ver­bringst du in der frei­en Natur, um die­sen doch recht ordent­li­chen Out­put an qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Bil­dern zu erzie­len?
Erst ein­mal ein gro­ßes Dan­ke­schön für die­se Mög­lich­keit und für dein Lob. Es freut mich immer zu hören, wenn jemand Gefal­len an mei­nen Foto­gra­fi­en hat.
Zu dei­ner Fra­ge: das ist tat­säch­lich sehr unter­schied­lich. In man­chen Wochen bin ich 3 oder 4 Mal unter­wegs oder eben übers Wochen­en­de an einer bestimm­ten Foto­lo­ca­ti­on. Wie lan­ge die­se Tou­ren sind, das bestimmt letzt­end­lich der Erfolg, die phy­si­sche Bereit­schaft, das Wet­ter, spe­zi­el­le Eigen­hei­ten des Foto­mo­dells“ oder ganz ein­fach die Lust & Lau­ne. Es kommt aber auch vor, dass ich 3 oder 4 Wochen über­haupt nicht umher­zie­he, um zu foto­gra­fi­schen Ergeb­nis­sen zu kom­men. Da ich dies alles nur hob­by­mä­ßig betrei­be und es mir vor­ran­gig Spaß machen soll, möch­te ich mir dahin­ge­hend auch kei­nen Druck machen und etwas dar­an ändern. Solan­ge ich nicht lie­fern“ muss kom­me ich auch nicht in die Ver­le­gen­heit, mög­li­cher­wei­se zu weit zu gehen.
Kannst du uns viel­leicht etwas über dein schöns­tes, tra­gischs­tes oder ein­drucks­volls­tes Erleb­nis in der Natur erzäh­len, in der du ja augen­schein­lich viel Zeit zubringst?
Mein schöns­tes war ganz klar der Moment, als ich end­lich im Wald, in dem ich die meis­te Zeit ver­brin­ge, den Baum der Wald­käu­ze ent­deckt habe, den ich schon so lan­ge dort ver­mu­tet hat­te und der zu der Zeit sogar noch mit Jung­tie­ren auf­war­ten konn­te.
Das Ereig­nis, das mir wohl ewig nach­hän­gen wird, hat mit einem jun­gen Dachs zu tun und war nicht mit einer foto­gra­fi­schen Tour ver­knüpft. Eines Tages haben wir unweit unse­rer Woh­nung einen jun­gen, apa­thisch wir­ken­den Dachs neben der Stra­ße auf­ge­fun­den. Nach ein paar wenig befrie­di­gen­den Gesprä­chen haben wir den armen Kerl, der offen­sicht­lich dehy­driert war und auch star­ken Para­si­ten­be­fall hat­te, zur Not­fall­kli­nik gebracht, wo er dann nur noch ein­ge­schlä­fert wur­de. Ich weiß, dass es bei Wild­tie­ren durch­aus immer schwie­rig ist, eine tol­le Lösung zu fin­den, aber ich hat­te hier bei allen Betei­lig­ten das Gefühl, es wäre für den Moment etwas Läs­ti­ges, das schnell weg muss.
Ein­drucks­voll ist gene­rell alles. Ich kann nur immer wie­der stau­nen, was die Natur bewerk­stel­ligt, wie Lebe­we­sen sich an bestimm­te Situa­tio­nen anpas­sen oder wel­che Stra­pa­zen man­che Tie­re auf sich neh­men kön­nen. Was mich zuletzt rich­tig beein­druckt hat, war die Men­ge von Feu­er­sa­la­man­dern in mei­nem Sala­man­der­wald. Auf die­sem Nacht­spa­zier­gang sind mir knapp 150 die­ser Tie­re über den Weg gelau­fen.

Ein­drucks­voll ist gene­rell alles. Ich kann nur immer wie­der stau­nen, was die Natur bewerk­stel­ligt, wie Lebe­we­sen sich an bestimm­te Situa­tio­nen anpas­sen oder wel­che Stra­pa­zen man­che Tie­re auf sich neh­men kön­nen.

Mat­thi­as Grö­ner
Hirsch­kä­fer”, Mat­thi­as Grö­ner, ©
Was ist für dich das span­nends­te an der Natur­fo­to­gra­fie und was wür­dest du einem abso­lu­ten Neu­ein­stei­ger hin­sicht­lich Tech­nik und Phi­lo­so­phie raten?
Span­nend dar­an ist natür­lich, dass man fast nie vor­aus­sa­gen kann, was pas­siert und was einem letzt­end­lich begeg­net. Das kann in man­cher Hin­sicht auch etwas ernüch­ternd sein, aber dafür gibt es auch wie­der Tage, an denen klappt ein­fach alles und man wird belohnt. Es ist toll, etwas zu erle­ben, auf das man Wochen, Mona­te oder gar Jah­re hin­ge­ar­bei­tet oder ‑gefie­bert- hat oder eben etwas, das ein­fach spon­tan pas­siert.
Der Neu­ein­stei­ger soll­te sich auf jeden Fall von Fach­per­so­nal bera­ten las­sen und die Gerät­schaf­ten aus­pro­bie­ren. Es ist äußerst hilf­reich, eine Kame­ra schnell und sicher bedie­nen zu kön­nen und das ist eine recht indi­vi­du­el­le Emp­fin­dung. Die Ein­stei­ger­ka­me­ras über­for­dern einen nicht mit all den Mög­lich­kei­ten, die die pro­fes­sio­nel­len oder semi-pro­fes­sio­nel­len Gerä­te bie­ten. Aller­dings, und das ist mei­ne per­sön­li­che Mei­nung, kann man die­se oft­mals nur umständ­lich auf neue Situa­tio­nen ein­stel­len. Im Bereich der Natur­fo­to­gra­fie soll­te man auf jeden Fall ein lan­ges Tele­ob­jek­tiv (z.B. 150 – 600mm) und ein kur­zes (z.B. 70 – 200mm) besit­zen, ein Makro­ob­jek­tiv (z.B. 100mm 2.8) und eines für Weit­win­kel­auf­nah­men (z.B. 17 – 50mm).
Hin­sicht­lich der Phi­lo­so­phie ist eigent­lich nur zu sagen, dass man immer das Wohl des Tie­res nicht aus den Augen ver­lie­ren soll­te. Natür­lich kann man gewis­se Stö­run­gen nicht ver­mei­den, wenn man unter­wegs ist. Das gilt jedoch für alle Per­so­nen, die sich in einem Gebiet auf­hal­ten, sei es der Spa­zier­gän­ger, Fahr­rad­fah­rer, Land­wirt, Jäger, Wis­sen­schaft­ler oder eben der Foto­graf. Man darf aber ein­fach nicht den Punkt über­schrei­ten, den das Tier in eine zu gro­ße Stress­si­tua­ti­on bringt oder die Natur vor Ort nach­hal­tig beein­träch­tigt. Ich den­ke, kein Natur­fo­to­graf oder Natur­lieb­ha­ber kann von sich behaup­ten, noch nie etwas getan zu haben, das er im Nach­hin­ein bereut hat. Man soll­te sei­ne Bil­der anschau­en und zei­gen kön­nen, ohne dass einen das schlech­te Gewis­sen plagt – wobei das natür­lich von Per­son zu Per­son unter­schied­lich ist. Ich den­ke aber, dass jemand, der die Natur­fo­to­gra­fie mit Lie­be betreibt, mich voll und ganz ver­ste­hen wird.
Wie­viel Geduld muss ein Natur­fo­to­graf mit­brin­gen? Fällt es dir schwer, auf das per­fek­te Motiv zu war­ten oder bist du eher der Typ Jäger“, für den das Lau­ern ein wich­ti­ges Ele­ment des Pro­zes­ses dar­stellt? Wie wich­tig ist Geduld an sich, damit wirk­lich schö­ne Begeg­nun­gen mit der Natur ent­ste­hen kön­nen?
Geduld ist immer wich­tig. Hat man kei­ne Geduld, ist der Punkt schnell erreicht, an dem man unbe­dach­te Din­ge tut, nur um das Bild schnell im Kas­ten zu haben.
Ob man auf das Foto war­tet oder ob man aktiv wird, ist auch wie­der arten­ab­hän­gig. Es bringt nichts, wenn man sich vor einen Gras­halm plat­ziert und dar­auf war­tet, eine gute Makro­auf­nah­me machen zu kön­nen. Da muss man die Wie­se, Hecke etc. absu­chen, was sich bie­tet. Natür­lich besteht dann auch die Mög­lich­keit, sich eine bestimm­te Stel­le zu suchen, wenn es bei­spiels­wei­se dar­um geht, Libel­len abzu­lich­ten, die immer wie­der den glei­chen Zweig am Bach ansteu­ern. Fuchs, Dachs, Eis­vo­gel oder Stein­kauz sind ganz typi­sche Moti­ve, bei denen sich die­ser Ansitz anbie­tet – manch­mal hat man auch Glück und kann Foto­gra­fi­en sol­cher Gesel­len sozu­sa­gen im Vor­bei­ge­hen mit­neh­men. Rela­tiv häu­fig gibt es auch eine Art Zwi­schen­ding, indem man aktiv sucht und dann minu­ten- oder gar stun­den­lang aus­har­ren muss.

Hin­sicht­lich der Phi­lo­so­phie ist eigent­lich nur zu sagen, dass man immer das Wohl des Tie­res nicht aus den Augen ver­lie­ren soll­te.

Mat­thi­as Grö­ner
Wie rück­sichts­voll bewegst du dich phy­sisch in der Natur? Folgst du einer bestimm­ten Phi­lo­so­phie wenn du das Wohn­zim­mer“ der Tie­re betrittst?
Wie bereits vor­her erwähnt ver­su­che ich mög­lichst wenig Auf­se­hen zu erre­gen. Das bedeu­tet, dass ich kei­ne auf­fäl­li­ge Klei­dung tra­ge und mich lei­se ver­hal­te. Ich ach­te dar­auf, wohin ich lau­fe und schaue im Norm­fall, was sich an der Stel­le befin­det, an dem ich bei­spiels­wei­se eine Makro­auf­nah­me machen möch­te. Mei­ne Kame­ra ver­fügt über einen Silent-Modus, bei dem das Geräusch des Spie­gel­schlags mini­miert wird – ein hilf­rei­ches Fea­ture, wie ich fin­de.
Eich­hörn­chen”, Mat­thi­as Grö­ner, ©
Bist du im Natur­schutz aktiv?
Nein, nur pas­siv. Aller­dings habe ich schon diver­se Male beim Sam­meln wäh­rend der Amphi­bi­en­wan­de­rung teil­ge­nom­men.
Dein Reper­toire umfasst vom Grün­specht über die Kegel­rob­be bis hin zur Gold­au­gen­spring­spin­ne, eine recht ansehn­li­che Band­brei­te an Arten und Gat­tun­gen. Wie tief steigst du in die Lebens­welt der ein­zel­nen Tie­re ein? Ent­wi­ckelt sich erst beim Foto­gra­fie­ren das Inter­es­se an den spe­zi­fi­schen Merk­ma­len oder ist da zuerst die Fas­zi­na­ti­on für ein bestimm­tes Tier und dann begibst du dich gezielt auf die Suche?
Da ich mich bereits im Kin­des­al­ter aus­dau­ernd mit mei­nen vie­len Tier­bü­chern beschäf­tigt habe und mir schon in die­ser Zeit ein wenig Wis­sen ange­eig­net habe, hat mir das für mei­ne spä­te­ren Foto­tou­ren enorm viel gehol­fen. Das waren in gewis­ser Wei­se mei­ne Hel­den der Kind­heit und vie­le davon woll­te ich irgend­wann mal mit eige­nen Augen sehen, z.B. Kreuz­ot­ter, Hirsch­kä­fer, Neun­tö­ter oder Wald­kauz (um bei hei­mi­schem Getier zu blei­ben). Als es dann kon­kret wur­de mit der Foto­gra­fie, habe ich mich natür­lich noch viel inten­si­ver damit aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Um gewis­se Arten zu sehen muss man das Habi­tat aus­ma­chen und Recher­che betrei­ben, wie die Tages­ab­läu­fe sind oder ob bestimm­te Wit­te­run­gen hilf­reich oder hin­der­lich sind.
Wenn ich auf Makro­tour bin, auf denen ich schon mei­ne fes­ten Prot­ago­nis­ten habe, kommt es aber häu­fig vor, dass man von einem Insekt der­art begeis­tert ist, dass man sich die Infos erst hin­ter­her ein­holt. Von vie­len Tie­ren hat man vor­her auch noch nie etwas gehört, was gera­de in der Insek­ten­welt öfter pas­siert.
Hast du mitt­ler­wei­le so etwas wie ein Lieb­lings­tier? Wenn ja, was fas­zi­niert dich dar­an beson­ders?
Ganz klar: der Feu­er­sa­la­man­der. Ich hat­te schon als Kind eine gewis­se Affi­ni­tät zu die­ser Art. Sie gefie­len mir ein­fach, haben aber auch so etwas mys­ti­sches an sich. Durch die Foto­gra­fie hat sich der Feu­er­sa­la­man­der aber ganz klar zu mei­nem Lieb­lings­tier gemau­sert. Ich genie­ße jede Sich­tung und freue mich, dass wir bei uns in der Gegend eine gesun­de Popu­la­ti­on vor­wei­sen kön­nen.
Fas­zi­nie­rend ist aber auch die geschicht­li­che Bezie­hung von Mensch und Sala­man­der. Frü­her dach­ten die Leu­te, die Haut­se­kre­te wären tod­brin­gend und auch hilf­reich beim Löschen von Brän­den. Dem­zu­fol­ge war­fen Men­schen die Sala­man­der tat­säch­lich ins Feu­er, wor­auf auch der Name zurück­zu­füh­ren ist.

Man erlebt die Tie­re in der Natur und erkennt auch die Schat­ten­sei­ten eines wil­den Daseins.

Mat­thi­as Grö­ner
Eine etwas phi­lo­so­phi­sche­re Fra­ge: Du hast mitt­ler­wei­le in so vie­le unter­schied­li­che Tier­au­gen geschaut. Fühlst du so etwas wie eine see­li­sche Ver­bin­dung oder zumin­dest eine grö­ße­re Nähe zum Wesen der Tie­re und zur Schöp­fung im All­ge­mei­nen seit du Natur­fo­to­gra­fie betreibst?
Die Ver­bin­dung füh­le ich defi­ni­tiv. Ich war jedoch bereits vor­her ein gro­ßer Tier­freund und hat­te immer schon eine gro­ße Ver­bun­den­heit zu allen mög­li­chen Tie­ren. Mein Blick­win­kel hat sich nur ein wenig geän­dert. Man erlebt die Tie­re in der Natur und erkennt auch die Schat­ten­sei­ten eines wil­den Daseins. Auch in Mit­tel­eu­ro­pa gilt das Gesetz Fres­sen und gefres­sen wer­den“. In Feld und Flur geht es auch mal rabi­at zu, im Mikro­kos­mos der Insek­ten sowie­so. Aber alles hat sei­ne Daseins­be­rech­ti­gung, alles fügt sich inein­an­der, formt sich zu einem per­fek­ten Kreis­lauf. Und dann merkt man, wie win­zig man selbst ist – und das fin­de ich voll­kom­men in Ord­nung.
Ich hof­fe, wir alle kön­nen unse­re Natur­wun­der noch lan­ge erle­ben. Aller­dings sieht es bei vie­len Arten in unse­ren Brei­ten­gra­den sehr schlecht aus und lang­sam soll­te es jeder erken­nen, dass etwas ganz falsch läuft. Die Natur benö­tigt deut­lich mehr Auf­merk­sam­keit sei­tens der Poli­tik und der Gesell­schaft. Sie ist über die Jah­re hin­weg zur Neben­säch­lich­keit gewor­den. Inzwi­schen aber fin­det m.E. ein klei­ner Umbruch statt, der hof­fent­lich nicht für vie­le Arten bereits zu spät kommt.
Wie wür­dest du das Wesen der Natur cha­rak­te­ri­sie­ren?
Ich muss zuge­ben, jetzt habe ich mir hier ein wenig den Kopf zer­bro­chen. Ich suche Begrif­fe, die für mich ganz typisch mit der Natur zusam­men­hän­gen: Erschaf­fung, Zer­stö­rung, Neu­be­ginn, Kraft, Sanft­heit, Wär­me, Käl­te, Unbarm­her­zig­keit, Gebor­gen­heit… man könn­te end­los wei­ter machen. Ich wür­de mich nun aber ein­fach kurz fas­sen: für mich ist das Wesen der Natur aus­glei­chend. Die Natur selbst besitzt eine Aus­ge­wo­gen­heit in allen Berei­chen. Sie kann uns so und so gegen­über­tre­ten. In jedem Fall sollten…nein: wir müs­sen ihr Respekt erwei­sen. Wir den­ken so oft, auch die­se uns unter­zu­ord­nen und die meis­ten erken­nen wahr­schein­lich ein­fach nicht, dass wir uns über lan­ge Zeit nur selbst scha­den. Die Natur benö­tigt kei­nen von uns, umge­kehrt sieht es aber anders aus. Auch hier wird irgend­wann der Begriff aus­glei­chend“ fal­len, wenn die Natur das kor­ri­giert, was wir falsch gemacht haben.
Lass uns kurz über das The­ma Kraft­tie­re“ spre­chen. Vie­le Men­schen, gera­de eso­te­risch Inter­es­sier­te, schnei­den die­ses The­ma ger­ne immer wie­der an, ohne dass da eine tie­fe­re Beschäf­ti­gung mit den Bedürf­nis­sen oder den Lebens­ge­wohn­hei­ten der ein­zel­nen Spe­zi­es erkenn­bar wäre. Neu­lich las ich in die­sem Zusam­men­hang etwas über das Eich­hörn­chen als Kraft­tier, dem du ja eine ganz wun­der­vol­le klei­ne Foto­se­rie gewid­met hast. Könn­test du die Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten des Eich­hörn­chens aus dei­ner eige­nen Beob­ach­tung kurz umrei­ßen?
Dem Eich­hörn­chen als Kraft­tier wird ja Vor­aus­schau und Fle­xi­bi­li­tät sowie auch Balan­ce zuge­schrie­ben. Das wür­de ich so auch unter­schrei­ben. Bei­spiels­wei­se bezieht sich die Vor­aus­schau bei die­sem Nager dar­auf, dass sie Fut­ter­de­pots für schlech­te Zei­ten anle­gen. Ich wür­de in die­sem Zuge auch auf die Emsig­keit hin­wei­sen – uner­müd­li­cher Ein­satz für die Sache. Ob das in jedem Fall als posi­ti­ve Eigen­schaft zu wer­ten ist, sei jedoch dahin­ge­stellt.
Egal, an wel­cher Ört­lich­keit: Das Eich­hörn­chen ist aber für mich auch das per­fek­te Bei­spiel für die Aus­ge­wo­gen­heit von Neu­gier und Vor­sicht. Eine Cha­rak­ter­ei­gen­schaft, die ich auch bei mir selbst fin­de. Mich inter­es­sie­ren vie­le Din­ge und möch­te Sachen aus­pro­bie­ren, aber habe oft­mals auch einen zu gro­ßen Respekt davor und stel­le mich den Kon­flik­ten und Auf­ga­ben zu sel­ten.
Aber: Trotz der Nied­lich­keit der pos­sier­li­chen Tier­chen sind sie dann und wann auf Kra­wall gebürs­tet, wie ich bereits meh­re­re Male mit­er­le­ben durf­te. Meis­tens fin­den sich die Geg­ner in den eige­nen Rei­hen. Es sind letzt­end­lich eben doch (eini­ger­ma­ßen) wil­de Tie­re, die das, was sie besit­zen und sich erar­bei­tet haben, vor Kon­kur­renz schüt­zen müs­sen.

Das Eich­hörn­chen ist aber für mich auch das per­fek­te Bei­spiel für die Aus­ge­wo­gen­heit von Neu­gier und Vor­sicht. Eine Cha­rak­ter­ei­gen­schaft, die ich auch bei mir selbst fin­de.

Mat­thi­as Grö­ner
Dei­nem Insta­gram-Pro­fil ent­neh­me ich, dass du musi­ka­lisch auch in der düs­te­ren bis pech­schwar­zen Ecke unter­wegs bist. Kannst du uns dei­ne bis­he­ri­gen musi­ka­li­schen High­lights des Jah­res 2019 und dei­ne All­time-Favo­ri­tes nen­nen? Inspi­riert dich die Musik bei dei­nen foto­gra­fi­schen Streif­zü­gen?
Die Musik, im spe­zi­el­len der Black Metal, ist wohl eine der längs­ten Kon­stan­ten in mei­nem Leben. Ich bin dar­über gestol­pert, als es damals in Nor­we­gen heiß her­ging und ich konn­te mich der Fas­zi­na­ti­on nicht ent­zie­hen. So schlägt mein Herz nach wie vor haupt­säch­lich für die nor­we­gi­sche und schwe­di­sche Art Black Metal bzw. den art­ver­wand­ten Sti­len. Es gibt aber nur ein Album, das für mich voll­kom­men ist: »Dark Medi­eval Times« von Saty­ricon. Dahin­ter rei­hen sich dann »Bergtatt« von Ulver, »Svar­talvheim« von Anci­ent, »Tho­se of the Unlight« von Mard­uk, »Pure Holo­caust« von Immor­tal, »In the Nightsi­de Eclip­se« von Emperor, »Storm of the Light’s Bane« von Dis­sec­tion, »Nifel­heim« von Thro­ne of Ahaz, »Hvis Lys­et Tar Oss« von Burz­um, »Frost« von Ens­laved , »Natt­ferd« von Ragna­rok, »Fran Mar­der« von Arcka­num, »The Rebirth of the Midd­le Ages« von God­kil­ler oder auch die drei »Spells« von Gehen­na ein. Etwas neue­re Ver­öf­fent­li­chun­gen, die es in die All­time-Favo­ri­tes geschafft haben, sind defi­ni­tiv »Under­gång« von Nas­heim, die »Vit­tra« sowie die »Eld« von Sko­gen und diver­se Out­puts von Pay­sa­ge d’hi­ver.
2019 konn­ten mich bis­her fol­gen­de Ver­öf­fent­li­chun­gen begeis­tern: Nas­heim »Jord och Aska«, Ære­kær »Avin­dsk­jold«, Kampfar »Ofi­di­ans Mani­fest«, Gards­ghastr »Slit Throat Requi­em«, Sul­dusk »Lunar Falls«, Worm­witch »Hea­ven That Dwells Wit­hin« oder auch Mepho­rash »Shem Ha Mepho­rash«.
Eine gro­ße Lei­den­schaft ist aber auch der Dun­ge­on Synth, den ich durch Mor­tiis ken­nen­ler­nen durf­te. Inzwi­schen hat sich hier ja eine gro­ße Sze­ne gebil­det und vie­le groß­ar­ti­ge Alben wur­den ver­öf­fent­licht, u.a. Murg­rind »Inheri­tor of the Forest Thro­ne«, Thango­ro­drim »Taur-nu-Fuin« oder Old Sorce­ry »Realms of Magick­al Sor­row«.
Genau­so fas­zi­niert bin ich jedoch auch vom Dark Folk, wie ihn Ulver auf »Kveldssan­ger«, Empy­ri­um auf »Whe­re at Night the Wood Grou­se Plays« oder Vàli auf »For­latt« so wun­der­bar zele­brie­ren. Ich lie­be die­se hei­me­lig-melan­cho­li­sche Stim­mung die­ser Musik, wor­in man immer ver­sin­ken kann, da man sich auf gewis­se Wei­se gebor­gen fühlt.
Da ich wohl einen gewis­sen Hang zu natur­ver­bun­der Musik habe, kann man es nicht von der Hand wei­sen, dass mich die Musik auch bei der Foto­gra­fie beglei­tet. Das merkt man den Bil­der wahr­schein­lich nicht an – aller­höchs­tens mal bei einer Land­schafts­auf­nah­me. Zum Bear­bei­ten der Bil­der höre ich aber auch gene­rell Musik. Da ich jetzt län­ge­re Zeit an den Bil­der des Schott­land-Auf­ent­halts tätig war, konn­te ich von Ward­ru­na über Vio­let Cold bis hin zu Nest wie­der diver­sen Spek­tren lau­schen, die einen viel­leicht auch unter­be­wusst inspi­rie­ren.
Lie­ber Mat­thi­as, ich dan­ke dir, dass du dei­ne Foto­gra­fi­en und Gedan­ken mit uns geteilt hast! Ich wün­sche dir noch vie­le wun­der­vol­le Begeg­nun­gen mit dem Wesen der Natur!