Häxenzijrkell im Interview

Häxenzijrkell im Interview
»…von Glut und Wir­bel­rauch«, Album-Cover, Häxen­zi­jr­kell, 2018, erschie­nen bei Amor Fati Pro­duc­tions

Seit sich Häxen­zi­jr­kell mit dem Song Lugh­na­sadh 2016 erst­ma­lig zum atmo­sphä­ri­schen Hexen­flug über die deut­sche Black-Metal-Sze­ne erho­ben, ver­brei­tet das Duo aus Essen mitt­ler­wei­le auch live eine eigen­wil­li­ge, pech­schwar­ze Stim­mung. Höchs­te Zeit für ein Inter­view.

Seit dem ers­ten Demo Demo 1 sind nun knap­pe 3 Jah­re ins Land gezo­gen, in denen der Zir­kel nicht untä­tig geblie­ben ist und uns mit Des Las­ters der Zau­be­rey und dem aktu­el­len Album …von Glut und Wir­bel­rauch zwei pech­schwar­ze Zau­ber­brü­hen ange­rührt hat.

Dabei sind vor allem die sti­lis­ti­schen Zuta­ten, aus denen Häxen­zi­jr­kell ihre Wer­ke zusam­men­brau­en inter­es­sant und teuf­lisch erfri­schend. Es ist mir daher eine gro­ße Freu­de, dass sich das Duo zu einem Plausch über ihr zer­set­zen­des Wir­ken bereit erklärt hat.

Interview

Grü­ße! Schön, dass ihr euch Zeit für ein Gespräch mit dem Eiben­rei­ter nehmt, auch wenn wir gera­de eben erst im Ent­ste­hen sind!
Grüß dich. Erst­mal Dan­ke für euer Inter­es­se und die Inter­­view-Anfra­ge. Euer Grund­kon­zept klingt ja erst ein­mal inter­es­sant und unter­stüt­zens­wert.
Apro­pos Ent­ste­hung. Mich wür­de zunächst inter­es­sie­ren, wie es zur Grün­dung des »Zir­kels« kam. Wie habt ihr zusam­men­ge­fun­den? Ich mei­ne, um so einen Sound zu kre­ieren müs­sen sich doch Mit­strei­ter fin­den, die ähn­lich gela­ger­te Inter­es­sen haben, ich den­ke da im Spe­zi­el­len an ein Fai­ble für das Wit­ch­­ploi­­ta­­ti­on-Gen­­re.
Ohne zu sehr in per­sön­li­che Details gehen zu wol­len: Häxen­zi­jr­kell ist ein Duo. Wir ken­nen uns seit einer hal­ben Ewig­keit und machen auch — in unter­schied­lichs­ter Art und Wei­se — eben­so lan­ge gemein­sam Musik. Es gab kei­nen beson­de­ren Anlass zur Grün­dung, es pas­sier­te ein­fach. Was wir jetzt mit Häxen­zi­jr­kell machen, ist im End­ef­fekt die natür­li­che Schnitt­men­ge unse­rer bei­der Inter­es­sen.
Ich habe euer Album Des Las­ters der Zau­be­rey ver­gan­ge­nes Jahr für non​pop​.de reviewt und tat mir leid­lich schwer damit, euren Sound rich­tig in Wor­te zu fas­sen. Wie so vie­le ande­re Rezen­sen­ten auch, habe ich euch damals Dro­­ne-Ein­flüs­­se unter­stellt. Wo ver­or­tet ihr euch musi­ka­lisch selbst?
Ehr­lich gesagt, haben wir uns dar­um bis­lang kei­ne gro­ßen Gedan­ken gemacht. Ver­mut­lich wür­den wir uns selbst ein­fach im Black Metal ver­or­ten. Ob das nun die pure Leh­re ist oder wir even­tu­ell Gen­­re-Gren­­zen über­tre­ten und ver­mi­schen, ist uns recht egal. Es geht uns in ers­ter Linie um eine pas­sen­de Atmo­sphä­re. Ein Riff kann so gut sein wie es will — wenn die Atmo­sphä­re nicht passt, nut­zen wir es nicht.

Häxen­zi­jr­kell ist unse­re eige­ne Rei­se ins Jen­sei­ti­ge, bei der die Atmo­sphä­re natür­lich eine ele­men­ta­re Rol­le spielt. Sie hilft uns Türen zu öff­nen und die Musik flie­ßen zu las­sen.

Häxen­zi­jr­kell
Eiben­rei­ter: Eine tref­fen­de Umschrei­bung, wie ich fin­de. Das bedeu­tet also im Kern, dass die pure Essenz von Häxen­zi­jr­kell im Her­auf­be­schwö­ren einer durch und durch fins­te­ren Grund­stim­mung besteht. Das bewerk­stel­ligt ihr ja unter ande­rem durch das Ein­bin­den von Zita­ten aus alten Gen­re­fil­men. Wie trefft ihr da die Aus­wahl?
Kann man so sagen, ja. Häxen­zi­jr­kell ist unse­re eige­ne Rei­se ins Jen­sei­ti­ge, bei der die Atmo­sphä­re natür­lich eine ele­men­ta­re Rol­le spielt. Sie hilft uns Türen zu öff­nen und die Musik flie­ßen zu las­sen. Mit der rich­ti­gen Stim­mung kön­nen wir uns nahe­zu trei­ben las­sen. Die Aus­wahl von pas­sen­den Zita­ten ist nicht immer ein­fach. Im Fal­le von Des Las­ters der Zau­be­rey war es eine Art glück­li­che Fügung: »Kla­di­vo na čar­oděj­ni­ce« drück­te exakt die Stim­mung aus, die wir ver­mit­teln woll­ten. Ich wur­de im End­ef­fekt von der Muse ermu­tigt, Pas­sa­gen aus dem Film zu ver­wen­den. Es kann aber auch schon­mal bedeu­ten, eine bestimm­te The­ma­tik oder Aus­sa­ge im Kopf zu haben und dann eben unzäh­li­ge Fil­me auf der Suche nach tref­fen­den Stel­len zu durch­fors­ten.
Ihr benutzt ja über­wie­gend Sam­ples aus den 70gern, wie steht ihr zum moder­nen Hexen­film? Ich mei­ne das The­ma war ja nach der Hoch­pha­se nie ganz aus der Pop­kul­tur ver­schwun­den. Könnt ihr euch den Zir­kel auch mit Sam­ples aus zeit­ge­nös­si­schen Fil­men vor­stel­len und was war für euch per­sön­lich der letz­te rich­tig gute Film mit Hexen­the­ma­tik?
Sicher kön­nen uns auch Sam­ples aus zeit­ge­nös­si­schen Fil­me vor­stel­len. Unser Live-Intro bei­spiels­wei­se ist aus dem recht aktu­el­len Film The Witch ent­nom­men. Gene­rell sind mir per­sön­lich »klas­si­sche« Horror/Hexenfilme oft lie­ber, da hier noch deut­lich mehr Wert auf die Stim­mung gelegt wur­de. An aktu­el­len Fil­men kann ich Haga­zussa — Der Hexen­fluch ans Herz legen. Ein wirk­lich extrem wir­kungs­vol­ler und stim­mungs­vol­ler Hexen­film aus Öster­reich. Lohnt sich auf jeden Fall.
Dan­ke für den Tip, den kann­te ich tat­säch­lich noch nicht! Blei­ben wir doch noch kurz noch beim The­ma Film. Wäre es für ein Pro­jekt wie Häxen­zi­jr­kell nicht pas­send selbst ein Video zu einem Song zu pro­du­zie­ren? Wie wür­de euer visu­el­ler Trip ins Jen­sei­ti­ge aus­se­hen?
Ich kann nach­voll­zie­hen, dass der Gedan­ke nahe­lie­gend scheint. Auf­wand und Nut­zen eines ordent­lich pro­du­zier­ten Vide­os ste­hen aller­dings in kei­ner­lei Ver­hält­nis zuein­an­der — mal gänz­lich davon abge­se­hen, dass das Gros der Musik­vi­de­os aus dem Metal-Bereich eher über­mä­ßig pein­lich sind. Nein, bis­lang gibt es unse­rer­seits kei­ner­lei Plä­ne, Ide­en oder ähn­li­ches für ein — wie auch immer gear­te­tes — Musik­vi­deo. Das höchs­te der Gefüh­le wäre viel­leicht unse­re Live-Shows mit Video­ein­spie­lern zu unter­ma­len. Aber auch dafür gibt es bis dato kei­ne wirk­li­chen Über­le­gun­gen. arti­cle/­die-zie­gen­rei­te­rin-hexe-got­tin-erd­mut­ter/Ich kann nach­voll­zie­hen, dass der Gedan­ke nahe­lie­gend scheint. Auf­wand und Nut­zen eines ordent­lich pro­du­zier­ten Vide­os ste­hen aller­dings in kei­ner­lei Ver­hält­nis zuein­an­der — mal gänz­lich davon abge­se­hen, dass das Gros der Musik­vi­de­os aus dem Metal-Bereich eher über­mä­ßig pein­lich sind. Nein, bis­lang gibt es unse­rer­seits kei­ner­lei Plä­ne, Ide­en oder ähn­li­ches für ein — wie auch immer gear­te­tes — Musik­vi­deo. Das höchs­te der Gefüh­le wäre viel­leicht unse­re Live-Shows mit Video­ein­spie­lern zu unter­ma­len. Aber auch dafür gibt es bis dato kei­ne wirk­li­chen Über­le­gun­gen.
Eure Cove­r­il­lus­tra­tio­nen zei­gen ja seit eurem Demo 1 stets nack­te, weib­li­che und ger­ne auch obsön­ze alte Hexen. Und auch mit Kar­ma­zid als Desi­gner seid ihr die­ser gestal­te­ri­schen Linie treu geblie­ben. Inwie­weit ist das Kon­zept des »ani­ma­lisch Weib­li­chen« ala Hexen­ham­mer Bestand­teil eures Kon­zep­tes oder ent­stand das eher zufäl­lig?
Kann man die Fra­ge beant­wor­ten, ohne dass man direkt gestei­nigt wird? Nein, Spaß bei­sei­te: Genau, die Illus­tra­tio­nen der Demo und der ers­ten EP sind Wer­ke von Hans Bal­dung. Patrick/Karmazid hat dann schon für die Vinyl-Ver­­­si­on von Des Las­ters der Zau­be­rey die­se herr­lich schä­bi­ge, run­ze­li­ge Hexe auf Besen ent­wor­fen, die wir auch als Back­drop auf unse­ren Kon­zer­ten ver­wen­den. Nun ja, zu einem gewis­sen Grad ver­bin­den wir das »ani­ma­lisch weib­li­che« grund­sätz­lich mit dem Kon­zept der Zau­be­rei. Also nein, rein zufäl­lig ist die Form der Dar­stel­lung nicht aus­ge­wählt.
»Haexenz­jir­kell Live II« Foto: S.Weber
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass die Men­schen im 17. Jahr­hun­dert ein ähn­li­ches Bild von Hexen vor Augen gehabt haben müs­sen. In unse­rem schö­nen Fran­ken­land sind, gera­de im beschau­li­chen Zeil am Main, in nur weni­gen Jah­ren Hun­der­te ums Leben gekom­men. Unter Mit­wir­kung von Kir­che, Bevöl­ke­rung und Gerichts­bar­keit wur­de hier bei­na­he indus­tri­ell gemor­det. Seid ihr der Mei­nung, dass die Kir­che bis heu­te zu wenig Ver­ant­wor­tung über­nimmt? Bis heu­te ste­hen ja noch Orgeln und Got­tes­häu­ser, die mit Blut­geld aus den Pro­zes­sen bezahlt wur­den.
Dass die Kir­che (ich dif­fe­ren­zie­re hier mal bewusst nicht zwi­schen katho­lisch und pro­tes­tan­tisch) ein äußerst ver­krus­te­tes und über­flüs­si­ges Kon­strukt ist, steht ver­mut­lich außer Fra­ge. Tat­säch­lich scheint aber hier eine gewis­se Auf­ar­bei­tung oder Beschäf­ti­gung mit der The­ma­tik statt gefun­den zu haben (bspw. pran­ger­te der aktu­el­le Papst vor gerau­mer Zeit Hexen­ver­fol­gun­gen an) — wem auch immer das letzt­end­lich (noch) nut­zen mag.
Und jetzt noch die obli­ga­to­ri­sche Abschluss­fra­ge nach euren Plä­nen für die Zukunft. Ihr star­tet ja gera­de live momen­tan gut durch und spielt unter ande­rem in Abten­au auf. Ste­hen uns dar­über hin­aus auch neue Ver­öf­fent­li­chun­gen ins Haus?
Rich­tig, wir spie­len die­ses Jahr noch eini­ge Shows, unter ande­rem ja auch bei euch in der Gegend. Dar­über­hin­aus arbei­ten wir an neu­em Mate­ri­al — in wel­cher Form auch immer die­ses dann letzt­end­lich erschei­nen wird. Alles wei­te­re wird sich zei­gen.
Vie­len Dank, dass ihr euch Zeit für ein Gespräch mit dem Eiben­rei­ter genom­men habt! Wir wün­schen euch für die Zukunft wei­ter­hin ein so gutes Händ­chen beim Aus­wäh­len von obsku­ren Film­zi­ta­ten und natür­lich noch vie­le inspi­rie­ren­de Rei­sen in eure eige­ne jen­sei­ti­ge Welt!
Wir haben zu dan­ken. Euch noch viel Erfolg mit dem Eiben­rei­ter!